Nur zum privaten
Gebrauch bzw. zum schulischen Gebrauch für die SchülerInnen in
meinen Unterrichtsklassen am Hans-Carossa-Gymnasium, Landshut!
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Kurs 2k1 Katholische Religionslehre 17/19 PFE - Stoffüberblick
Jahrgangsstufe 12 - 2. Kurshalbjahr - Inhaltsverzeichnis
3.
Zukunft von Menschheit und Welt
3.1. Das
Phänomen der Zeit
3.2. Zukunftsängste
und -hoffnungen
3.2.1. Beängstigende Phänomene
3.2.2. Zur
Sicherheit von Zukunftsprognosen
3.2.3. Persönliche Zukunft
3.2.4. Zukunft der Welt
Zeitungsartikel
3.2.5.
Zukunftshoffnungen
3.3. Futurologie
als
Versuch der bewussten Gestaltung von Zukunft
3.3.1. Ursprünge
3.3.2.
Die Bedeutung von Utopien
3.3.2.1. Zur Wortbedeutung von
'Utopie'
3.3.2.2. Formen der Utopie
3.3.2.3. Kritische Würdigung der
Utopie
3.3.2.4. Utopien des 20. und 21.
Jahrhunderts
3.3.2.4.1. Die
Irrtümer des Marxismus-Leninismus
3.3.2.4.2. Der
Mythos vom Wirtschaftswachstum
3.3.3.
Auf dem Weg in eine beschleunigte Zukunft:
Informations- und Kommunikationstechnik
3.3.3.1. Paul Virilio - Zukunftsforscher und
Christ
3.3.3.2. Computertechnik
und Datenschutz
3.3.3.3. Das Internet
3.3.3.3.1. Ursprünge
3.3.3.3.2. Gefahren des
Internet
3.3.3.3.3. Vorzüge des
Internet am Beispiel der "Sozialen
Vernetzung"
3.3.3.4. Krieg als
Computerspiel - Militärtechnik und Ziviltechnik
3.4. Zukunft aus christlicher
Perspektive
3.4.1. Die Linearität der Zeit
in den biblischen Schöpfungserzählungen
3.4.2. Eschatologie
3.4.2.1.
Individuelle Eschatologie
3.4.2.2. Nahtoderfahrung / Todesforschung (Dr.
Schröter-Kunhardt) und moderne Hirnforschung (siehe Punkt 2.4.3. im Skript von 11/1)
3.4.2.3. Kollektive Eschatologie - Zukunftsvisionen
der Bibel
3.4.3. Christliche
Endzeithoffnung
3.4.3.1. Jesus und die
Reich-Gottes-Botschaft - Das Gleichnis vom Senfkorn
3.4.3.2. Zukunftsgestaltung aus dem Glauben: Hans Küng und das Projekt Weltethos
4. Christentum im Spiegel des Credo
4.1. Das trinitarische Gottesverständnis (siehe Punkt 3.4.2. im Skript von 11/1
sowie
Punkt 8.2. im Skript von 11/2)
Kurs 2k1 Katholische Religionslehre 17/19 PFE
3. Dimensionen der Zukunft - Gestaltungsauftrag für die Gegenwart
Unser Zeitalter misst die Zeit nach den Schwingungen des Cäsiumsatoms in der Physikalisch-technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Doch grundsätzlich bereitet Zeitmessung erhebliche Probleme. Die Grundeinheiten der Zeitmessung sind mehr oder weniger zufällige Größen:
Für alle, die es noch genauer wissen wollen: Astrolexikon
Lange Zeit richteten sich die Menschen nach diesen
Vorgaben der Gestirne, wobei es auf eine Viertelstunde nicht
ankam - so genau geht eine Sonnenuhr!

Eine
weitere Stufe der Präzisierung der Uhrzeit wurde durch die
Einführung des Eisenbahnverkehrs erzwungen, konnte doch ein
Zug nicht später abfahren und früher ankommen. Hatte zuvor
jeder Ort seine Lokalzeit gehabt, so mussten sich die Orte
entlang einer Eisenbahnlinie zwangsläufig nach der Eisenbahn
richten. So wurde auch in Landshut die Uhr von St. Martin
nach der Bahnzeit gestellt, wobei diese jemand mittels einer
kleineren tragbaren Uhr immer wieder neu vom Bahnhof holen
musste.
Wenn
heutzutage in Deutschland die Uhren nach den Vorgaben der Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt in Braunschweig (mehrheitlich
automatisch) gestellt werden, so funktioniert diese Art der
Zeitmessung genauer als selbst die natürlichen Grundlagen,
auf denen die Zeitmessung eigentlich beruht:
Ein Vergleich mit der Sonnenuhr, die die
tatsächliche Sonnenzeit anzeigt, ergibt, dass unsere
auf den Atomschwingungen des Cäsiumsatoms beruhende
Zeitmessung, welche von einer exakten Kreisbahn der
Erde um die Sonne ausgeht, genauer ist als die Natur
dies vorsieht. Tatsächlich bewegt sich die Erde auf
einer elliptischen Bahn um die Sonne, wobei der
geringste Abstand der Erde zur Sonne Anfang Januar
147 100 000 km beträgt, während der größte Abstand
der Erde zur Sonne Anfang Juli 152 100 000 km
beträgt. Diese Schwankung von 5 Millionen km führt
bei Sonnennähe zur Beschleunigung und bei
Sonnenferne zum Abbremsen der Erdumdrehung. So
gesehen sind auf der Nordhalbkugel im Winter die
Sonnentage kürzer als 24 Stunden und im Sommer
länger als 24 Stunden.
Zeit existiert also in unserer Erfahrungswelt, doch selbst die Physik kann uns nicht sagen, was Zeit eigentlich ist. Zeit ist als eine von der Materie abhängige Größe zu betrachten, die zudem unter dem Einfluss von Geschwindigkeit relativ verläuft. Vor einigen Jahren wurde bei einem Flug der amerikanischen Space Shuttle eine Atomuhr mitgeführt, während auf der Erde ein Vergleichsexemplar zurückblieb. Nach der Landung des Space Shuttle ergab sich eine Differenz von 16/100 Sekunden. Für die Wissenschaftler war dies genug an Beweis, dass unter dem Einfluss der relativ geringen Geschwindigkeit von ca. 30000 km/st sich an Bord des Raumschiffes der Zeitablauf verlangsamt hatte. Im Folgenden einige Stichworte zum Phänomen Zeit. Irgend jemand hat einmal versucht, Zeit ganz unwissenschaftlich, aber gar nicht so verkehrt “als Trick der Natur, damit nicht alles gleichzeitig geschieht zu definieren. Nach Ansicht mancher Wissenschaftler handelt es sich bei dem Phänomen Zeit gar um ein reines Konstrukt des menschlichen Geistes, der dann die zeitliche "Messlatte" an die Erscheinungen der Natur anlegt. Hier ergibt sich eine Verbindung zur Frage "Was ist Wirklichkeit?" aus dem 1. Semester.
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"Hubble" space-telescope bei SPIEGEL-ONLINE |
500 Millionen Lichtjahre |
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3.2.1. Beängstigende Phänomene
Ozonloch / Treibhauseffekt / Globale Erwärmung /Ausbreitung der Wüsten / Rodung der Regenwälder / Abschmelzen der Gletscher / Vermehrtes Auftreten verheerender Stürme / Abschmelzen der Polkappen daraus resultierender Anstieg des Wasserspiegels der Weltmeere
|
Überschwemmungsszenarien bei entsprechendem Anstieg des Meeresspiegels > bis zu 14 m Anstieg lassen sich hier simulieren! |
| Klima und Klimawandel - Links auf
dem Hamburger Bildungsserver |
Umweltverschmutzung
Der damalige
CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Herbert Gruhl schrieb bereits vor
über 40 Jahren in seinem damals Aufsehen erregenden Buch Ein
Planet wird geplündert, Die Schreckensbilanz unserer Politik (Frankfurt,
1975), S. 275:
"Die Frage, die
jedoch sofort beantwortet werden muss, lautet: Wie müssen wir
uns verhalten, damit die freie Entscheidung noch einige Jahre
offengehalten werden kann? Wie können wir noch eine Atempause
gewinnen, bevor der »Punkt ohne Rückkehr«, the point of no
return, wie die Amerikaner sagen, überschritten ist? Der
inzwischen verstorbene Generalsekretär der UNO, U Thant, hat
1969 erklärt, dass nach seinen Informationen noch ein
Jahrzehnt zur Verfügung stehe, "den menschlichen Lebensraum zu
verbessern, die Bevölkerungsexplosion niedrig zu halten und
den notwendigen Impuls zur Entwicklung zu geben«; danach aber
würden »die erwähnten Probleme derartige Ausmaße erreicht
haben, dass ihre Bewältigung menschliche Fähigkeiten
übersteigt«.' Seitdem sind schon sechs Jahre des möglichen
Handelns (nicht des Erkenntnisprozesses) nutzlos verstrichen.
Inzwischen greifen seit 1973 die Realitäten ein, und sie setzen einen ungeheuer wirksamen Nachhilfeunterricht in Gang. Was der Vernunft unerreichbar gewesen wäre, auch wenn sie mit Engelszungen gepredigt hätte, ist nun eingetreten: die »Mehrproduktion« ist in fast allen Industrieländern zu einem Halt gekommen. Das furchtbarste Geschick, das uns Menschen bestimmt sein könnte, wäre nun, wenn der weitere Anstieg der Produktion wieder einsetzte, weil dann der anschließende Sturz in die Totalkatastrophe um so tiefer ausfallen müsste. Unser gnädigstes Geschick kann allein darin bestehen, die Katastrophen klein zu halten und regional zu begrenzen. Ganz zu vermeiden sind sie aufgrund der jahrzehntelangen Unvernunft nicht mehr.
Was tun aber die
Regierungen der westlichen Industrieländer? Sie unternehmen
ganz irre Versuche, die Mehrproduktion wieder in Gang zu
setzen. Sie holen die bekannten Rezepte der
wirtschaftspolitischen Scharlatane wieder hervor und hoffen
inbrünstig, dass diese wenigstens noch einmal wirken werden
und sei es nur, um über die nächsten Wahlen zu kommen. Das ist
in Amerika nicht anders als in Europa oder Japan.
Unabdingbare Voraussetzung aller möglichen
Lösungen, und sei es nur solcher, die das Schlimmste verhüten,
ist und bleibt aber zunächst der Stopp des bisherigen
Wahnsinns, insbesondere der weltweiten gegen die Natur
verübten Schandtaten der letzten dreißig Jahre. Die Folgen
treten heute ein: in den Entwicklungsländern in Form von immer
größeren Hungersnöten, in den Industrieländern zunächst in
Form von Arbeitslosigkeit."
Dass Menschen auf Ängste nicht immer
rational reagieren, sondern oftmals sehr subjektiv und irrational,
mag ein Blick auf diese Website (Gubi's
Homepage) illustrieren: Das Raucherrisiko ist sehr viel
größer als das Risiko, Opfer eines Verbrechens zu werden oder in
einem Krieg umzukommen. Das Risiko bei einem Flugzeugabsturz ums
Leben zu kommen, beträgt einen Bruchteil der vorgenannten Risiken.
Insgesamt scheinen Angstzustände immer mehr um sich zu greifen:
vgl. "Zeit"-Artikel
aus dem Jahr 2007: "In den Fängen der Angst"
vgl. “Stern”-Prognose von 1970
Die meisten der hier aufgezählten Zukunftsvisionen haben sich nicht erfüllt. Die größten Fortschritte gab es auf dem Gebiet der Fortpflanzungsmedizin: Retortenbefruchtung, vorgeburtliche Geschlechtsbestimmung, käufliches Keimmaterial (Samenzellen, Eizellen), Eitransplantation, Leihmütter - das alles ist im Jahr 2019 Realität. Noch gibt es allerdings keine Gebärroboter, in denen Kinder heranreifen. Nicht genannt ist dagegen das Klonen.
Noch steigt die Lebenserwartung an,
aber relativ langsam und die Zahl der Hundertjährigen nimmt zu.
150 Jahre Lebenserwartung sind aber nach wie vor utopisch.
Durch verbesserte Technik lassen
sich Bodenschätze in immer größeren Tiefen der Ozeane ausbeuten,
aber die prognostizierte Unterwasserstadt gibt es bis heute
nicht.
Alle anderen Zukunftsvoraussagen
haben sich nicht erfüllt. Summa summarum haben sich die
Voraussagen bis heute, 50 Jahre nach der Prognose, vielleicht zu
maximal 10 Prozent erfüllt.
Vieles war einfach nicht
vorhersehbar! Dies betrifft ganz offensichtlich die Entwicklung
auf dem Gebiet der
Datenverarbeitung (Computer) sowie der Telekommunikation (Selbst
Mitte der 70er-Jahre hatte noch niemand das “Handy” auf der
Rechnung!). Vor allem das
Internet ist aus der heutigen Welt nicht mehr wegzudenken und
3-Drucker ermöglichen ganze neue Möglichkeiten hin zum "Internet
der Dinge". Dazu gehört auch, dass immer mehr Dinge in das
Internet eingebunden werden. So gesehen scheint eine Smart City
möglich, so wie das modellhaft in Santander
in Spanien versucht wird.
Fazit: Zukunftsprognosen sind zwangsläufig ungenau und enthalten viele Fehler!
vgl. Doppelpendel!
Folgt man dem TIME-Magazine (vol.
177, No.4/2011) dann wird ein in Kenia entwickeltes
handy-basiertes Zahlsystem die Bankenlandschaft revolutionieren.
> "Kenya's
Banking Revolution"
3.2.3. Persönliche Zukunft
Uns allen blüht der Tod. Er setzt
unserem Leben Grenzen. Wie wir uns diesem Faktum stellen, ist
zutiefst bedeutsam für unser Leben. Gibt es Hoffnung über den
Tod hinaus? Ist er gar der Anfang eines neuen Seins? Oder ist
mit dem Tod alles aus? Die Beantwortung dieser Frage wirkt sich
unmittelbar auf die Lebensqualität aus, wie das folgende
Tierexperiment verdeutlicht:
Eine Ratte wurde in ein Behältnis
geworfen, dessen steile Wände ein Entkommen unmöglich machten.
nach 15 Minuten war die Ratte ertrunken, obwohl Ratten
eigentlich gute Schwimmer sind. Einer anderen Ratte wurde nach
10 Minuten ein Stöckchen hingehalten, an dem sie herausklettern
konnte. Nachdem man sie zurück ins Wasser befördert hatte,
schwamm sie noch über 35 Stunden lang! Hoffnungslosigkeit bzw.
die Hoffnung auf Rettung
machten den Unterschied aus!
Dass der Zustand der Psyche über
Leben und Tod entscheidet, berichtet Viktor E. Frankl in seinem
Buch ... trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt
das Konzentrationslager (München, 1982) auf
S .122. Ein Mitgefangener im Konzentrationslager Dachau namens
F. hatte ihm im Febraur 1945 von einem merkwürdigen Traum
erzählt, in dem eine geheimnisvolle Stimme versprach, ihm jede
Frage zu beantworten. Daraufhin fragte er, wann der Krieg für
ihn zu Ende sein werde, wann also das Lagerbefreit werde und die
Leiden aufhören würden. Als Frankl wissen wollte, was die Stimme
geantwortet habe, flüsterte er mit geheimnisvoller Stimme: "Am
30. März ..." Obwohl die Lagerinsassen gerüchteweise über
das Vorrücken der alliierten Truppen informiert waren, war
Ende März allen klar, dass die Befreiung des Lagers noch auf
sich warten ließ. Am 29. März bekam F. plötzlich hohes Fieber,
am 30. März, dem Tag, an dem der Krieg für ihn zu Ende sein
sollte, verlor F. schließlich das Bewusstsein und am 31. März
war er tot, verstorben an Fleckfieber. Frankl erklärt dies auf
S. 123 so: "Mein Kamerad F. ist letzten Endes daran gestorben,
dass seine schwere Enttäuschung über das Nichteintreffen der
pünktlich erwarteten Befreiung die Abwehrkäfte seines Organismus
gegen die bereits schlummernde Fleckfieber-Infektionplötzlich
absinken ließ. Sein Zukunftsglaube und sein Zukunftswille
erlahmeten - und so behielt schließlich sein Traumstimme recht
..."
In jedem Fall ist der Tod eines Menschen so etwas wie ein persönlicher Weltuntergang. Dahinter verblassen alle Sorgen und Ängste um die Zukunft der Welt an sich. Wer selbst ums Überleben kämpft, hat keine Kraft, sich um die Probleme der Welt zu sorgen.
3.2.4. Zukunft der Welt
In mehrfacher Hinsicht zeichnet sich das mögliche Ende allen Lebens auf der Erde ab:
- Der
Einschlag eines größeren Meteoriten hätte katastrophale
globale Auswirkungen. Der Staub könnte eine Eiszeit
auslösen, so wie dies früher bereits geschah. Das plötzliche
Aussterben der Dinosauerier vor 65 Millionen Jahren wird auf
den Einschlag eines Meteoriten im Bereich der
mexikanischen Halbinsel Yucatan zurückgeführt, was zu einer
plötzlichen Abkühlung des Klimas führte, wobei nur ca. 10
Prozent aller biologischen Arten überlebten. Praktisch aus
dem Nichts schlug am Morgen des 15. Februar 2013 ein Meteorit
in der Gegend der russischen Stadt Tscheljabinsk ein
und verletzte über 1000 Menschen. Daneben gab es massive
Schäden an Gebäuden und in großem Umkreis wurden bei
Temperaturen von minus 20 Grad durch die Druckwelle
sämtliche Fensterscheiben zerstört. [vgl.
Bericht der Süddeutschen Zeitung] Die aus der
römischen Geschichtsschreibung bekannte Furcht vor einem
Einsturz des Himmels nährte sich möglicherweise aus einem
ähnlichen Ereignis, welches ca. 300 v. Chr. die Menschen im
Bereich des Chiemsees überraschte, ohne dass die dort
lebenden Menschen sich das auch nur annähernd erklären
konnten. Der Einschlag eines entsprechend großen Meteoriten
auf der Erde könnte ggf. alles menschliche Leben auslöschen.
Mehrfach haben
große Meteoriten die Erde getroffen und aufgrund des vielen
Staubes drang fast kein Sonnenlicht auf die Erde. es kam zu
einem Massenaussterben,
denn in der Folge wurden bis zu 90% der Lebewesen
vernichtet, während nur 10% der Arten überlebten, z. T.
unter der Erde, was evolutionär wiederum den Ursprung für
Körperbehaarung legte.
- Im Laufe
der Erdgeschichte haben sich immer wieder die Erdpole
umgedreht, was zwischenzeitlich zu einem Zusammenbruch des
irdischen Magnetfeldes führt, sodass die Erde schutzlos
intensiver kosmischer Strahlung ausgesetzt sein könnte. Der
magnetische
Nordpol muss deswegen Jahr für Jahr neu lokalisiert
werden. Welche Auswirkungen hääte ein temporärer
Zusammenbruch des Magnetfeldes für menschliches Leben auf
der Erde?
- Die
Lebensdauer unserer Sonne ist begrenzt. Geht ihr der
Brennstoff aus, bläht sie sich gewaltig auf, wobei sie sich
der Erde nähert. Dies könnte klimatische Verhältnisse mit
Temperaturen von 1600° C bewirken, wobei selbst Gestein
schmelzen würde. Alle Formen des Lebens würden ausgelöscht.
- Der gesamte Kosmos dehnt sich seit dem "Urknall" unaufhörlich aus. Welche Energie steckte hinter dem Urknall? Wird der von der Energie des Urknalls gespeiste Prozess der Ausdehnung sich einmal wieder umkehren, sodass das Weltall zurückschrumpft oder reicht die Energie für eine ewig fortschreitende Ausdehnung. Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht spricht vieles für letztere Annahme.
3.2.5. Zukunftshoffnungen
Geschichte vom Frosch im Butterfass:
Ein Frosch fiel in
ein Butterfass, in dem sich der gesammelte Rahm der letzten
Tage befand. Seine Lage war hoffnungslos angesichts der
glatten hohen Wände, die ihn umgaben. Doch wollte er sich
nicht kampflos in sein Schicksal ergeben und so strampelte er
nach Kräften. Nach einiger Zeit des Strampelns hatte sich ein
Teil des Rahms zu einem Butterklumpen geformt. Mit doppelter
Anstrengung strampelte der Frosch weiter, so lange, bis der
Butterklumpen genug Platz für ihn bot. Von dieser schwimmenden
Plattform aus sprang der Frosch schließlich über die steile
Wand des Butterfasses in die Freiheit.
Bei allem, was die Zukunft der Welt in düsteren Farben malt, gibt es doch Hoffnungen, dass die Verhältnisse in der Welt sich langsam bessern. Folgende Perspektiven erscheinen bedeutsam:
Auch eine Hoffnungsgeschichte - die
Erfindung des Fahrrads:
Freiherr von Drais
erfand seine "Draisine", ein Laufffahrrad, aus purer Not, denn
nachdem im Jahre 1816 witterungsbedingt die Ernte ausgefallen
war, gab es schlechthin zu wenig Futter für die Pferde! Not
macht eben doch erfinderisch!!
3.3.1. Ursprünge der Futurologie
1943 wurde der Begriff
"Futurologie" von Ossip Kurt Flechtheim (geb. 1909 in
Nikolajew bei Odessa; 1935 in die Schweiz emigriert, 1939 in die
USA, dort 1940 - 1951 Dozent, ab 1952 Professor in
West-Berlin), einem Politikwissenschaftler, geprägt. Er
sah vor allem 5 "challenges":
(siehe Buch Leben gestalten 12, S. 72)
www.zukunftsinstitut.de |
Homepage des
Zukunftsforschers Matthias Horx
|
Homepage des Zukunftsforschers Jeremy Rifkin |
3.3.2. Die Bedeutung von Utopien
Sie sind ein Spiegel der Zukunftserwartungen!
3.3.2.1. Zur Wortbedeutung von Utopie
Der Begriff geht zurück auf das 1516 in lateinischer Sprache erschienene Buch Utopia von Thomas More (Thomas Morus) (1478 - 1535). Erst 1551 erschien eine englische Übersetzung.
Kunstwort: "ou" - nicht
" topos" - Ort
vgl. Beatles Song: "nowhere man" - "nowhere land"
Bei More: Sozialkritik: Die
englischen Verhältnisse werden mit einem Idealstaat verglichen:
More beschreibt, dass er in Antwerpen
einen Seemann namens Hythlodeus getroffen habe, der auf seinen
Reisen u.a. auf die Insel Utopia gelangt sei. Im ersten Teil des
Buches beschreibt More als Erzähler die englischen Verhältnisse,
im zweiten Teil des Buches findet sich dann der Reisebericht des
Hythlodeus, sodass ein kritischer Vergleich zwischen dem England
Mores und der Idealgesellschaft in Utopia entsteht.
3.3.2.2. Formen der Utopie
| literarisch: | Utopie
>
Morus Umschwung zur Antiutopie / Dystopie mit Schilderungen einer negativen Zukunft bei H. G. Wells, erstmals in seinem Roman "The Time Machine" Anti-Utopie als Fiktion u.a. auch in Aldous Huxley's Brave New World und George Orwell's 1984 (um nur die bekanntesten Antiutopien zu nennen) |
| wissenschaftlich: | eine nicht durchführbare Idee, z.B. "Perpetuum mobile" |
| umgangssprachlich: | eine fixe Idee, ein Hirngespinst |
| absolute Utopie: | eine Idee, die unter keinen Umständen je realisierbar sein wird. |
| relative Utopie: | vgl.
den Schneider von Ulm mit seinen Flugversuchen Romane von Jules Verne im 19. Jahrhundert, z. B. Mondflug; Reise um die Erde in 80 Tagen |
| bewusste Utopie | Kryonik
(?) (Einfrieren toter Menschen in der Hoffnung sie in
der Zukunft wiederbeleben und von ihren Krankheiten
heilen zu können) |
| unbewusste Utopie | vgl. Marxismus / Sozialismus, aber auch Liberalismus |
3.3.2.3. Kritische Würdigung von Utopien
positiv:
3.3.2.4.1 Die Irrtümer des Marxismus-Leninismus
ökonomisch: Ziel war die
optimale Nutzung von Ressourcen, die Beseitigung von Armut und die Steigerung des
Lebensstandards;
effektiv führte mangelnde Konkurrenz in der Planwirtschaft zu technisch-ökonomischem Stillstand
Beispiel: Jahrzehntelang wurde der Trabbi im Wesentlichen unverändert produziert; die technische
Weiterentwicklung im Automobilbau
ging an ihm ziemlich
spurlos vorbei.
politisch: Im Gegensatz zu den Prophezeiungen von Karl Marx wurde der Staat nicht überflüssig. Ständige Bevormundung durch den Staat führte zu Unzufriedenheit und Widerstand.
humanistisch: Die versprochene Selbstverwirklichung des Menschen fand nicht statt. Bevormundung und Fremdbestimmung töteten die Lebensfreude.
Zur Illustration ein Glasbild aus dem ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR, das übergangsweise als Bundeskanzleramt genutzt wurde. Interessant vor allem der Spruch bzw. die Sprüche: "UND OB WIR DANN NOCH LEBEN WERDEN WENN ES ERREICHT WIRD - LEBEN WIRD UNSER PROGRAMM. ES WIRD DIE WELT DER ERLÖSTEN MENSCHHEIT BEHERRSCHEN." - "TROTZ ALLEDEM!"
|
|
Foto: R. Pfeiffer, Berlin 2.9.2000
3.3.2.4.2. Der Mythos vom Wirtschaftswachstum
Wirtschaftswachstum ist die
Grundlage der weltweiten Wirtschaftsordnung; hohe Wachstumsraten
gab es nur in Zeiten des Wiederaufbaus (vgl. neue Bundesländer)
oder aber auch im Rahmen des Übergangs vom Agrarland zum
Industrieland (vgl. China in den letzten Jahren); geringes
Wachstum unter 2,5 % ist Stillstand, da die Arbeitslosigkeit
wegen der forschreitenden Automatisierung zunimmt!
Um die Menschen im weltweitem Rahmen mit Wirtschaftsgütern nach westlichem Standard zu versorgen fehlen ganz einfach die Rohstoffe; zudem wäre die globale Umweltkatastrophe vorprogrammiert!
Nach Joni Seager, Öko-Atlas /
Neuausgabe (Bonn, 1995) S. 30/31 zur "Auto-Kultur", gab
es in ganz Afrika in den
1990er-Jahren genauso viele Automobile wie allein im Bundesland
Nordrhein-Westfalen zugelassen waren! Der Wirtschaftsboom in
China und Indien und die damit verbundene Nachfrage aus diesen
Ländern treibt tendenziell die Stahl- wie auch die Ölpreise nach
oben! Das derzeitige Überangebot an Erdölprodukten dürfte
zeitlich beschränkt sein.
Von 1995 bis 2007 hatte die Republik
Irland, der "keltische
Tiger", traumhafte Steigerungsraten, was das
wirtschaftliche Wachstum betraf, teilweise sogar im
zweistelligen Bereich. Die irischen Banken liehen Geld für alle
möglichen Vorhaben ohne entsprechende Absicherungen. Als sie an
ihren Schulden zu ersticken drohten, gab der irische Staat den
Banken eine unbegrenzte Garantie! Das war mehr als die kleine
Volkswirtschaft von ca. 5 Millionen Einwohnern verkraften
konnte. Irland flüchtete 2010 unter den Eurorettungsschirm, den
es 2013 aber wieder verlassen konnte. Die Arbeitslosenrate lag
2014 bei ca. 12%.
3.3.3. Auf dem Weg in eine beschleunigte
Zukunft: Informations- und Kommunikationstechnik
3.3.3.1. Paul
Virilio - Zukunftsforscher und Christ
Textblatt: "An der Schwelle zum Nicht-Krieg"
Zusammenfassung: Der französische Architekt -
Geschwindigkeitstheoretiker - Kriegsforscher - Christ Paul
Virilio wurde 1932 in Paris geboren. Nur mit viel Glück entkam
seine Familie 1941 der Gestapo, da sein Vater Kommunist war.
1942 erlebte er "live" die Zerstörung von Nantes. Später
kämpfte er im Algerienkrieg. Auschwitz, Hiroshima und Nagasaki
sowie das Schreckensregime des Pol Pot in Kambodscha sind
Koordinaten seines Querdenkens, das wegen der hochbrisanten
Analysen immer wieder zum Widerspruch reizt.
So beschäftigte er
sich u.a. mit dem Golf-Krieg 1991, dem ersten medial
aufbereiteten Krieg der Geschichte, in Virilios Augen die
Generalprobe zum "reinen Krieg" mit elektronischen Waffen.
(Tatsächlich wurde nach einem Artikel in TIME von
amerikanischen Militärs daran gedacht, auf elektronischem Weg
das irakische Staatsfernsehen durch ein eigenes vom Flugzeug
aus gesendetes Programm zu überlagern, wobei sich ein Double
von Saddam Hussein mit einem diskreditierenden Whiskyglas in
der Hand an seine Landsleute wenden sollte! PFE). Der
Golfkrieg begann bezeichnenderweise mit der Ausschaltung der
irakischen Kommunikationsmittel. Ohne Kommunikationsmittel ist
kein Krieg führbar. Schon immer haben sich die Militärs
technische Spitzenleistungen zu Nutze gemacht oder waren
direkt oder indirekt an ihrer Entwicklung beteiligt (vgl.
Entstehungsgeschichte des Internet! PFE)). Virilio spricht vom
militärisch-industriellen Komplex, der die scheinbar zivile
Gesellschaft durchdringt und beherrscht. Dieser führe die
Gesellschaften in den Ruin so wie dies am Zusammenbruch der
Sowjetunion deutlich wurde. Heute wird nach Virilios Meinung
die Entwicklung der Völker dauerhaft durch die
Militärtechnologie behindert.
In
diesem Zusammenhang stuft Virilio Geschwindigkeit als eine
Form von Gewalt ein. Wir leben im Zeitalter rapider Geschwindigkeitssteigerungen*.
Politische Entscheidungsprozesse brauchen aber stets Zeit. Für
Virilio geht es deshalb um die Rettung der Politik aus den
Händen der Militärtechnokraten. Doch gerade in der
technologischen Gesellschaft sind zwei lange verdrängte Fragen
wieder neu zu stellen: Die Frage nach dem Tod und die Frage
nach Gott. Da jeder technische Fortschritt gleichzeitig auch
den dazu gehörigen Unfall mit erfindet und die möglichen
Unfälle den Tod des Einzelnen bis hin zum Tod der ganzen
Menschheit nach sich ziehen können (atomare oder ökologische
Katastrophe), gilt es, dem Tod bewusst ins Auge zu sehen und
ihn als eine Kraft zu sehen, die Lebenszeit gliedert und
strukturiert. Und Gott ist keinesfalls tot, sondern die Frage
nach Gott ist aus der Geschichte der Neuzeit verschwunden.
Doch schon beansprucht der militärisch-industrielle Komplex
absoluten Gehorsam (vgl. Frage nach dem Ausstieg aus der
Kernenergie; die amerikanische Atomarbeiterin Karen Silkwood
wurde allem Anschein nach per Autounfall ermordet als sie die
Zustände an ihrem Plutonium verarbeitenden Arbeitsplatz einem
Journalisten schildern wollte. PFE) und lässt sich als alles
bestimmender Götze verehren. Die neuesten elektronischen
Kommunikationswaffen verkörpern sogar quasi göttliche
Eigenschaften: Allmacht, Allgegenwart (per
Lichtgeschwindigkeit), Allwissenheit (Aufklärungssatelliten
erkennen auf der Erde jedes Objekt von 1m Größe! PFE).
Virilio ruft auf zum Widerstand gegen den
militärisch-industriellen Komplex, so wie dies beispielsweise
der polnischen Gewerkschaft "Solidarnosc" gelang, die einen
"heiligen Nicht-Krieg" aufrief und ihre Ziele gewaltfrei
durchsetzte. Virilio darf man getrost als modernen Propheten
sehen, der wie seine biblischen Vorgänger drohendes Unheil
verkündet und trotzdem hofft, dass seine Voraussagen nicht
eintreffen.
|
* Eine Studie über den Beschleunigungsprozess findet sich in einem Artikel von Folio, der Zeitschrift der Neuen Züricher Zeitung "Die Erschaffung des Tempos" |
|
Mehr Informationen über Paul Virilio (seltsamer Weise enthält die englische Version von Wikipedia die umfassendste Darstellung von Virilio's Theorien) |
3.3.3.2. Computertechnik und Datenschutz
Nach dem RAF-Anschlag (Baader-Meinhoff-Bande) auf den Bankier Jürgen Ponto und der Entführung und Ermordung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer 1977 entwickelte das Bundeskriminalamt die sogenannte "Rasterfahndung", d.h. mit Hilfe von Datenabgleichen per Computer wurde versucht, der Tätergruppe auf die Spur zu kommen. Beispielsweise wurden die Daten von Stadtbüchereien daraufhin ausgewertet, wer sich linkslastig-kommunistische Literatur ausgeliehen hatte. Brauchbare Ergebnisse blieben der Rasterfahndung versagt, doch landeten die Namen und Daten vieler unbescholtener Bürger und Bürgerinnen auf diese Weise in den Polizeicomputern. Gleiches gilt für die Rasterfahndung zur Suche nach sogenannten "Schläfern" im Gefolge des 11. September 2001, wo vielfach völlig unbescholtene Mitbürger arabischer Herkunft ins Visier genommen wurden, was, wie sich herausstellte, wiederum nicht in Einklang mit den Datenschutzbestimmungen zu bringen war.
Schon vor Jahren werteten Firmen mit Computerhilfe Telefonbücher aus, um daraus selektiv die Namen und Adressen ganzer Berufsgruppen, z.B. Ärzte, zu erheben. Diese Datensätze wurden dann an Kunden, d.h. Firmen verkauft, die z.B. in dieser Zielgruppe für ihre Produkte werben wollten. Diese Methoden wurden im Laufe der Zeit noch verfeinert.
Schon vor einigen Jahren wurde daran gedacht, auf den deutschen Autobahnen per automatischer Computerabbuchung Gebühren zu erheben. Voraussetzung wäre eine lückenlose Erfassung aller an gewissen Mautstellen vorbeifahrenden Autos gewesen. Jederzeit hätten sich daraus Bewegungsprofile von einzelnen Autos und einschlussweise auch von Personen erstellen lassen! Durch die derzeitige Diskussion über eine mögliche Einführung einer Mautpflicht als Infrastrukturabgabe ist dieses Problem wieder topaktuell! Auch die geplante Vorschrift seitens der Europäischen Union, wonach ab 2017 oder 2018 jedes neue Kraftfahrzeug mit einem Hilferufsystem ausgerüstet sein muss, das im Falle eines Unfalls die Daten des Unfallortes automatisch übermitteln soll, beinhaltet die Gefahr, dass über diese an und für sich nützliche Funktion Bewegungsprofile erstellt werden können.
Gibt es bis dato ein solches Mautsystem und auch das Hilferufsystem noch nicht, so ist die Ortung des Standpunktes in der Telekommunikation bei Handy-Besitzern schon Alltag. Um den Empfang sicher zu stellen, müssen über das Handy stets Daten gespeichert werden, sodass sich mittels trigonometrischer Funktionen aus den Signallaufzeiten der jeweilige Standort des Handys auf 50 bis 10 Meter genau ermitteln lässt. Geheimdienste und gegebenenfalls die Polizei haben Zugriff auf diese Daten bzw. sind unter Umständen gesetzlich befugt, Telefonate abzuhören. Viele Handys antworten auf Anrufe auch in ausgeschaltetem Zustand, bei manchen lässt sich in ausgeschaltetem Zustand sogar das Mikrofon aktivieren, sodass auf diesem Wege ein Mithören nicht auszuschließen ist. Um vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein, müsste man stets den Akku aus dem Handy nehmen. (Quelle: Sendung "Computerclub" WDR3/Bayern alpha 2001 bzw. Sendung "W wie Wissen", ARD vom 7. März 2010)
Auch anhand von
Telefonauskunfts-CD-ROMs lässt sich die Problematik aufzeigen:
Während der Telekom seitens der Datenschützer nicht gestattet
wurde, dass die CD-Rom aus der eingegebenen Telefonnummer Name
und Adresse des Telefonteilnehmers ermittelt, enthielt das
Konkurrenzprodukt genau diese Funktion, auch wenn gewisse
Umstände und Umwege in Kauf genommen werden mussten: Die
Konkurrenz ließ nämlich im Ausland von Chinesen die deutschen
(öffentlichen) Telefonbücher abschreiben und in Computer
eingeben.
Auf der Basis dieser Daten wurde dann
die CD-Rom gefertigt. Inzwischen sind derartige Funktionen auch
über das Internet abrufbar bzw. Telefon-CD-ROMs dürfen diese
Funktion enthalten, weil ein Widerspruchsrecht geschaffen wurde.
Hinweise für Kunden der Deutschen Telekom AG, die der Inverssuche widersprechen möchten, gibt es HIER unter dem Stichwort Inverssuche (Rückwärtssuche).
Interessante Einblicke in die
Problematik bietet die Webseite des Bundesbeauftragen
für den Datenschutz
3.3.3.3.1. Ursprünge
Das Internet beruht ursprünglich auf
dem militärischen, von den USA konzipierten ARPA (=Advanced
Research Projects Agency)-Net. Dieses sollte im Falle eines
russischen Atomschlags auf die USA die computergestützte
Kriegsführung der USA auch nach Ausschaltung einiger
Computerzentren dadurch ermöglichen, dass andere Zentren die
Funktion der ausgefallenen Zentren übernahmen. Irgendwann kam
der amerikanische Geheimdienst auf die Idee, dass solche
"Ersatzzentren" ja auch in neutralen Ländern versteckt werden
könnten, denn an sich spielt die Länge der Leitung ja keine
Rolle. Nach dem Fall der Berliner Mauer, der Öffnung der Grenzen
nach Osteuropa und dem Ende des "Kalten Krieges" wurde das
ARPA-Net, das zuvor schon teilweise von Universitäten und
Forschungseinrichtungen mit genutzt worden war, 1992 als
Internet für die Öffentlichkeit freigegeben.
Die Strukturen des
ARPA-Netzes sind insofern noch immer erkennbar, als das Internet
grenzüberschreitend und dezentral angelegt ist. Eine Kontrolle
oder Zensur findet nicht statt. Will ein Land den Zugang zum
Internet kontrollieren, so
hat es im Prinzip nur die Möglichkeit, sich ganz vom Internet
abzukoppeln oder - wie China - die Suchmaschinenbetreiber dazu
zu bringen, gewisse Suchbegriffe zu zensieren.
Komplettabschaltung geht nicht. Teilabschaltungen wiederum gehen
auch nicht, denn die werden im Hinblick auf den Datenfluss nur
als durch irgendetwas bedingte Störung gewertet und so wird
automatisch ein Umweg gesucht, um die Daten dem Letztempfänger
doch noch irgendwie zukommen zu lassen. Somit ist an jedem
funktionsfähigen Internetrechner prinzipiell jederzeit jede in
das Datennetz eingespeiste Information abrufbar.
3.3.3.3.2. Gefahren des Internet
Grundsätzlich birgt jeder
Fortschritt auch Gefahren und ist somit zweischneidig. Jedes
Gemüsemesser kann sowohl zur Zubereitung von Nahrung als auch
als Mordwaffe verwendet werden. Je komplexer die Technik, desto
undurchchaubarer oft die Zusammenhänge, wie das folgende
Beispiel belegt, das die Logotherapeutin Elisabeth Lukas in
einem Vortrag darbot. Sie bezog sich dabei auf Hinweise, dass
die Einführung der Zentralheizung in Finnland indirekt vielen
Menschen das Leben gekostet habe, indem die Suizidrate gestiegen
sei. Die Erklärung: Natürlich war es bequemer, nunmehr nur mehr
das Ventil der Heizung aufdrehen zu müssen, während früher viel
Handarbeit nötig war, um es im Winter warm zu haben. Das begann
schon damit, dass die Familien am Sonntag in die Wälder
ausschwärmten und jedes Familienmitglied so viel Feuerholz nach
Hause trug, wie es tragen konnte. Auf diese Weise wurde während
des Sommers der Wintervorrat an Brennholz geschaffen. Mit
Einführung der Zentralheizung unterblieben nun diese
Spaziergänge mit der Folge, dass auch die Familien nicht mehr
zusammen kamen. Dadurch unterblieben aber auch die Gespräche
während der Ausflüge, die so ganz nebenbei erheblich zur
Problemlösung und zur psychischen Gesundheit beigetragen hatten.
Da nun viele Menschen mit ihren Problemen allein da standen,
suchten sie als letzten Ausweg vermehrt den Suizid.
Aus den Möglichkeiten des Internet
ergeben sich ebenfalls eine Reihe von Problemen. So wird z.B.
einschlägige Kinderpornografie über das Internet gehandelt,
wobei es sehr schwer ist, die meist international operierenden
Ringe auszuheben. Vor allem die Fälle von Kinderpornografie
haben in der Öffentlichkeit ein gewisses Problembewusstsein
geweckt. Aus dem Ausland, vor allem aus Dänemark, verbreiten
deutsche rechtsradikale Gruppen ihre in Deutschland verbotene
Propaganda. Terroristen benutzen das Netz zur Kommunikation und
zur Vorbereitung von Anschlägen. Auch Verletzungen des
Urheberrechts (Illegale Musik- und Filmtauschbörsen) wie auch
des Persönlichkeitsrechts sind weit verbreitet. Heftigen Protest
löste das Thema der per Gesetz verordneten
Vorratsdatenspeicherung durch die Provider aus. Diese Praxis
wurde allerdings höchstrichterlich durch das
Bundesverfassungsgericht unterbunden.
Dass andererseits durch die
Geschwindigkeit im Internet Persönlichkeitsrechte massiv
verletzt werden können, zeigt folgende Begebenheit:
Beispiel: Als die Auslieferung einer Biografie über den verstorbenen französischen Staatpräsidenten Francois Mitterand auf Grund des Einspruchs von Frau Mitterand verboten werden sollte, wurde der Buchinhalt schnell ins Internet eingespeist, aus dem sich jeder Interessierte bei Bedarf eine Kopie herunterladen konnte. Bevor der Fall rechtlich überhaupt geprüft werden konnte, waren Fakten geschaffen! (vgl. Beschleunigungsproblematik weiter oben!). Ganz aktuell: Die beim Massaker an Muslimen im neuseeländischen Christchurch ins Netz gestellten Live-Videos des Täters von seiner Tat geistern noch immer durch das Internet, obwohl sie offiziell gelöscht wurden.
Auch die Gefahr von perfekten Fälschungen darf nicht unterschätzt werden. So lassen sich ohne Weiteres beispielsweise kompromittierende Fotos per Computer herstellen und ins Internet einspeisen. Auch die Möglichkeit der Gegendarstellung, sofern sie gegeben ist, kann dies nicht rückgängig machen, denn "semper aliquid haeret"!
Als gefährlich erweist sich auch
manche private Homepage bzw. die Veröffentlichung von Daten in
sozialen Netzwerken, wo unbedacht evtl. Bilder von Personen in
verfänglichen Situationen eingestellt werden. Potenzielle
Arbeitgeber machen sich gerne ein Bild über das Internetprofil
ihrer Bewerber und es ist sicher nicht förderlich für die
Karriere, wenn der Kandidat im Zustand der Volltrunkenheit
abgelichtet wurde. Ein Lehrer bekam plötzlich Probleme durch
Eltern, weil er sich auf der Homepage des Alpenvereins zusammen
mit seinem Freund per Foto als schwul geoutet hatte und man
deshalb seine pädagogische Eignung anzweifelte. Ein Schüler
bekam keine Lehrstelle, weil der Meister im Internet
herausgefunden hatte, dass er früher als Mobber in Erscheinung
getreten war. Jeder sollte bedenken: Was im Netz steht ist Teil
der Öffentlichkeit! Es könnte auch in der Zeitung stehen!
Als problematisch darf auch das Verhalten des Suchmaschinenriesen "google" bezeichnet werden, der aus grundsätzlichen Erwägungen heraus den Standort seiner Server geheim hält! Somit bleibt auch geheim, welche Daten "google" über seine Benutzer sammelt und wie diese Daten verwertet werden. Gleiches gilt für Facebook und andere soziale Netzwerke.
Auch im Blick auf den weltweiten
Energieverbrauch darf man das Internet durchaus kritisch sehen:
In der ARD-Sendung "Brain" vom 17.02.2008 wurden folgende Fakten
offenbart:
Zum Thema Datenschutz im Internet:
Als das Positivste am Internet ist der schnelle, globale Austausch von Informationen zu bewerten, auch wenn derzeit noch über 50% des Internet in den USA angesiedelt sind und die Rechnerdichte beispielsweise auf dem afrikanischen Kontinent noch immer sehr dünn ist. Das Internet fördert in einem noch nie da gewesenen Maße das globale Bewusstsein und den Gedankenaustausch zwischen Personen in den verschiedensten Nationen. Als Beispiel füge ich hier eine Email an, die mich am 13. März 2002, erreichte:
|
Liebe Freunde, Kollegen
und Bekannte,
die untenstehende
Petition empfehle ich Ihrer/Eurer Aufmerksamkeit.
Der Fall ist inzwischen
offenbar auch der Süddeutschen Zeitung bekannt
geworden. Sie hat heute am 13.März //2002 PFE// auf
Seite 3 einen ausführlichen Beitrag über diesen Fall.
Ich meine, dass wir das
Wenige, das wir in diesem Fall tun können (e-mail
schicken) nicht unterlassen sollten.
Herzliche Grüße
E**** F*******
----- Original Message -----
From:
********
To: **********
Sent: Tuesday, March 12, 2002 5:12 PM
Subject: Petition
Lieber E****,
heute kam eine üble
Meldung rein, die auch etwas mit interreligiösem
Dialog zu tun hat. Bitte gib - wenn's Dir möglich ist
- die Petition weiter.
Herzlichen Gruß
W*****r
PETITION
Appell an die Solidarität! Es handelt sich darum,
einen Brief an die nigerianischen Behörden zu
schicken zu Gunsten von Safya Husseini Tungar-Tudu,
einem jungen nigerianischen Mädchen, die in ihrem
Land zur Todesstrafe verurteilt worden ist, weil sie
schwanger wurde, ohne einen Ehemann zu haben. Ein
derartiger Fakt wird dort wie ein schwerer Akt gegen das islamische fundamentalistische Recht betrachtet, das in ihrem Land den Stellenwert des Strafrechts einnimmt. Wenn nicht ein starker internationaler Druck ausgeübt wird, wird man in etwa einem Monat Safya in einen Graben stellen, dann bis zur Mitte eingraben und sie schließlich von den Einwohnern ihres Dorfes zu Tode steinigen lassen. Momentan ist sie in ihrem Haus eingesperrt, wo sie ihr Kind stillt, das zum Synonym der Todesstrafe geworden ist. Sie wird ih noch einige Wochen die Brust geben dürfen, dann wird man sie in den Graben schicken und töten lassen (dies wurde von Amnesty International bestätigt). Wir können etwas tun,
indem wir an die nigerianische Botschaft in Rom
schreiben, um den Präsidenten der Republik Nigeria
um ihre Begnadigung zu bitten. Aber es müssen viele
Briefe sein, deshalb bitt ich euch, diesen Aufruf an
eure Freunde und Freundinnen weiterzuleiten
(vergesst nicht die ohne e-mail-Anschluss) und sofort an die Botschaft zu schreiben. Wenn ihr nicht schnell handelt, laufen wir Gefahr, zu spät zu intervenieren. Ein letztes Detail, wie immer bei solch einer Angelegenheit: der Vater des Kindes wurde aus Mangel an Beweisen freigelassen. Wir können nicht am
Rand des Grabens bleiben und dem neuesten Vergehen
der Intoleranz, Ignoranz und Lüge zusehen! Wir
müssen eine kollektive Geste der Solidarität
ausführen, indem wir folgenden Brief an die:
Ambasciata della Nigeria A l'attention de l'Ambassadeur Via Orazio, 18 I-00193 Roma senden oder folgende e-mail an: ****************** Monsieur
l'Ambassadeur,
Je vous prie de demander au President de la Republique du Nigeria de sauver la vie de Safya Husseini-Tungar-Tudu. Merci ! Unterschrift
|
Anmerkung: Der Protest führte zum
Erfolg und Safya Husseini wurde freigelassen, nachdem ihr Kind -
die Begründung klingt seltsam - angeblich aus einer
überlangen Schwangerschaft hervorgegangen sein soll und damit
vom Gericht als ehelich eingestuft wurde.
Beispiel: Bei Anti-Milosevic-Kundgebungen im Jahre 1998 wurde in Belgrad eine Journalistin von der Polizei brutal zusammengeschlagen. Nach der ersten medizinischen Versorgung fotografierten Freunde sie und stellten das Foto zusammen mit dem Bericht über das Geschehene ins Internet. Die jugoslawische Polizei beschlagnahmte zwar darauf hin den Computer und schaltete die jugoslawische Internet-Quelle ab. Inzwischen hatten jedoch Freunde eine sogenannte "Mirror-Site", also eine Kopie im Ausland eingerichtet, auf welche die jugoslawischen Behörden keinen Zugriff hatten, sodass der Bericht auf anderen Internetrechnern in Jugoslawien nach wie vor jederzeit abrufbar war.
Der regierungskritische jugoslawische Sender B92 blieb zunächst auch nach Abschaltung der Sendeanlagen vor Ort noch in Betrieb, indem das Radioprogramm auf dem Computer erstellt, per Internet nach London geschickt, dort an einen Satelliten gesendet wurde und somit zumindest über Satellit in Jugoslawien noch weiterhin empfangen werden konnte. Als der Sender dann endgültig geschlossen wurde, war die Nachricht von der Schließung per Internet eine halbe Stunde später bei allen Nachrichtenagenturen!
3.3.3.4. Krieg als Computerspiel -
Militärtechnik und Ziviltechnik
Wie schon im Punkt 3.3.3. bei der Einführung in das Werk und Denken von Paul Virilio dargelegt, gehen heute militärische und zivile Nutzung von Produkten Hand in Hand. Das Beispiel von der Entstehung des Internet, das aus dem militärischen ARPA-Net erwuchs, vermag dies eindrucksvoll zu belegen. Weitere Beispiele wären
3.4.
Zukunft aus christlicher Perspektive
3.4.1. Die Linearität der Zeit in den biblischen Schöpfungserzählungen
Gewisse Grundgegebenheiten unseres
Lebens nehmen wir zumeist gar nicht mehr wahr. Für uns besteht
Zeit selbstverständlich aus den Dimensionen Vergangenheit -
Gegenwart - Zukunft. Ein Blick in die Geschichte, z. B. die Betrachtung des Baalskultes in
Kanaan / Palästina lehrt jedoch, dass selbst in unmittelbarer
Nachbarschaft des jüdischen Volkes eine andere Auffassung von
Zeit galt: Zeit wurde verstanden als ein zyklisches Geschehen,
als eine immerwährende Abfolge gleicher Zeitzyklen. Wenn das
Land im Sommer von der Hitze verbrannt dalag, so glaubte man,
dass Gott Baal wie jedes Jahr in der Unterwelt festgehalten
werde. Ergrünte das Land neu im Herbst, so wurde die Rückkehr
des Baal mit rauschenden Festen gefeiert.
Dass Zeit in dieser
Weise zyklisch gedacht werden kann, erweist ein Blick auf den
Buddhismus wie auch auf den Hinduismus. Das Leben beinhaltet
nach dieser Vorstellung eine unablässige Kette von
Wiedergeburten bis ein heiliges Leben den Ausweg ins Nirwana
möglich macht.
Nach jüdisch-biblischer
Vorstellung ist Zeit jedoch gerichtet, und zwar auf Zukunft hin.
Das Hebräische sieht (wie andere semitische Sprachen) die Zeit
nicht so sehr als auf die Zukunft gerichteten Strahl (nach
mathematischer Redeweise), sondern als Raum. Demnach gibt es
einen Raum, in dem alles abgeschlossen und somit nicht mehr
änderbar ist und einen anderen Raum, in dem noch alles offen und
unabgeschlossen ist. Der erste Raum unfasst also das, was wir
Vergangenheit nennen würden, der andere Raum hingegen Gegenwart
und Zukunft in einem.
Eine sprachphilosophische Analyse unserer deutschen
Sprache (wie auch anderer indoeuropäischer Sprachen lässt
erkennen, dass wir in Kategorien von Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft denken, wobei die Gegenwart die kürzeste Zeitspanne
- psychologisch so um die fünf Minuten - beinhaltet.
Definition
/
Erklärung von Eschatologie
3.4.2.1. Individuelle
Eschatologie
Ist ein Weiterleben in anderer Form
über den eigenen Tod hinaus überhaupt denkbar? Ist es sinnvoll,
diesem Gedanken nachzugehen?
Zur Zeit Jesu war die Frage nach
einem möglichen Weiterleben nach dem Tod eine offene. Die
Betreiber des Tempels, die Sadduzäer, waren diesbezüglich sehr
skeptisch, denn in der Torah, dem einzigen teil der Bibel, das
sie als Wort Gottes anerkannten, findet sich tatsächlich nichts
über ein Weiterleben über den Tod hinaus. Die einzige Chance
eines zukünftigen Lebens lag in der Zeugung von Nachkommen.
Deshalb galt im Judentum Kinderlosigkeit als großes Unglück. Die
hohe Bedeutung der Nachkommenschaft wird in der Torah deutlich,
indem in Form der Leviratsehe der Bruder eines Verstorbenen dazu
verpflichtet wird, mit der Witwe seines Bruders stellvertretend
für den Bruder Nachkommen zu zeugen.
Vor diesem Hintergrund ist die in Mk 12,
18-27 geschilderte Begebenheit zu verstehen, wo einige
Sadduzäer versuchen, Jesus die Unsinnigkeit eines Weiterlebens
nach dem Tod vor Augen zu führen, indem Sie den Fall
präsentieren, dass sieben Brüder nacheinander sterben, ohne dass
es ihnen gelingt, für den erstverstorbenen Bruder mit der Witwe
nachkommen zu zeugen. Zuletzt stirbt die Frau und so stellen sie
Jesus die Frage: "Wessen Frau wird sie bei der Auferstehung
sein?", wobei sie davon ausgehen, dass es diese nicht geben
kann. Die Antwort Jesu lautet: "Ihr irrt euch; ihr kennt weder
die Schrift noch die Macht Gottes." Dies ist gegenüber höchsten
Vertretern der jüdischen Religion eine ganz deutliche
Stellungnahme pro Auferstehung bzw. eines Lebens nach dem Tod!
Jesus greift nun bewusst auf die
Torah zurück, denn gegenüber den Sadduzäern kann er mit
Prophetenschriften nicht argumentieren - die Sadduzäer sehen
darin kein Wort Gottes! Jesus zitiert die Stelle vom brennenden
Dornbusch, aus dem heraus sich Gott dem Moses gegenüber als der
"Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs" zu erkennen gibt. Da Gott
spricht "Ich bin der Gott von ..." und nicht sagt "Ich war
der Gott ... " zieht Jesus daraus den Schluss, dass Abraham,
Isaak und Jakob bei Gott leben. "Er ist doch nicht ein Gott von
Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt euch sehr."
Diese eindeutige Haltung Jesu zu
einem möglichen Weiterleben nach dem Tod durchzieht auch die
Geschichte vom Leiden, Sterben und der Auferweckung Jesu.
Ganz zentral begründet
sich die christliche Auferstehungshoffnung also von Ostern her.
Das älteste Schriftzeugnis für die Auferstehung findet sich
jedoch nicht in den Evangelien, sondern im 1. Brief des Apostels
Paulus an die Korinther, den dieser ca. im Jahr 55 in Ephesus
schrieb. Als Griechen hatten die Korinther Probleme mit der Idee
von der leiblichen Auferstehung Jesu, war in griechischer
Denkart der Tod doch die Befreiung der Seele aus dem Gefängnis
des Körpers.
Wenn es in Kapitel
15, Vers 3 heißt: "Denn vor allem habe ich euch
überliefert, was auch ich empfangen habe", dann will Paulus
sagen: Die folgende Passage stammt nicht von mir, sondern ist
ein Zitat, ein festgefügtes Stück Überlieferung. Somit reicht
diese Erinnerung zurück in die 40er-Jahre - ca. 25 Jahre bevor
von Markus das erste Evangelium verfasst wurde!
Vermutlich war das folgende Bekennntnis in der Jersualemer Urgemeinde bereits in den frühen 40er-Jahren zum "geflügelten Wort" geworden. Das Zitat (bei Paulus) lautet:
3 Christus (=der Messias) ist für
unsere Sünden gestorben, / gemäß der Schrift,
4 und ist begraben worden. / Er ist am dritten Tag
auferweckt worden, / gemäß der Schrift,
13 Wenn es keine Auferstehung der Toten
gibt, ist auch Christus (=der Messias) nicht auferweckt worden.
14 Ist aber Christus (=der Messias)
nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und
euer Glaube sinnlos.
15 Wir werden dann auch als falsche
Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das
Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus (=den Messias) auferweckt.
Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt
werden.
16 Denn wenn Tote nicht auferweckt
werden, ist auch Christus (=der Messias) nicht auferweckt worden.
17 Wenn aber Christus (=der Messias)
nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr
seid immer noch in euren Sünden;
18 und auch die in Christus (=im
Messias) Entschlafenen sind dann verloren.
19 Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus (=den Messias) gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.
(siehe Buch Leben
gestalten 12, S.
84/85)
Neben Himmel und
Purgatorium ("Fegefeuer") ist in der traditionellen Lehre auch
von der Möglichkeit der Hölle die Rede. Die aus meiner Sicht
beste Abhandlung darüber entnehme ich einem "Brief aus Taizé"
vom Dezember 2005 / Januar 2006: Dieser am weitesten von Gott
entfernte Ort findet sich tatsächlich in der Bibel, aber erst in
den Evangelien wird "die Hölle" zum Ort der Bestrafung, wobei im
Hebräischen und somit bei Jesus von "Gehenna" die Rede ist, was
auf das Tal Hinnom in Jerusalem zurückgeht, welches
Schauplatz heidnischer Menschenopfer war und wo der Müll aus
Jerusalem verbrannt wurde. Somit konnte man sich unter dem
"Feuer der Hölle" konkret etwas vorstellen. [Man muss sich das
vielleicht so vorstellen, wie wenn man mit "Auschwitz" all das
ausdrücken wollte, was die Hölle ausmacht.]
Bei aller Dramatik, welche dem Höllenbegriff als Ort der
Gottferne zugrunde liegt, gibt es kein Dogma, das einen
Gläubigen zwingen würde daran zu glauben, dass irgend jemand
tatsächlich auf Dauer dorthin verbannt ist. Es stellt sich
nämlich die Frage, wie groß Gottes Barmherzigkeit zu denken ist,
ob sie nicht letztlich größer ist als alle Untaten, zu denen
Menschen fähig sind. Letztlich bleibt die Antwort auf die Frage
für uns offen, da allein Gott vorbehalten.
Dass Gottes Liebe stärker ist als Tod und Sünde, machen
orthodoxe Auferstehungsikonen deutlich, wo der Auferstandene die
Türen der Hölle mit Füßen tritt und die dort Gefangenen
befreit.
> BILDBEISPIEL
Der Ort der Hölle
nimmt menschliche Freiheit ernst, fordert zur Entscheidung auf.
In diesem Sinn hat auch Jesus in prophetischer Schärfe von der
Hölle gesprochen, andererseits aber immer wieder seine
Barmherzigkeit im Umgang mit Sündern offenbart. Dem
mitgekreuzigten Verbrecher, der ihn gegen die lästerlichen Reden
des anderen verteidigt, verheißt Jesus: "Noch heute wirst du mit
mir im Paradies sein." - Nach damaliger Vorstellung gab es zwei
"Wartesäle" bis zur allgemeinen Auferstehung aller Toten, die
Scheol für die zu Bestrafenden und das "Paradies" für die
Gerechten. Jesus verheißt also dem neben ihm Gekreuzigten also
nicht weniger als den Himmel!
Jesus benutzt also
die Hölle gewissermaßen als Folie um zu verdeutlichen, dass das
wahre Glück nur in der Gemeinschaft der Liebe mit Gott als dem
Vater aller Menschen finden lässt.
Was kommt nach dem Tod?
Diese Frage haben schon viele Theologen zu beantworten versucht
mit durchaus verschiedenartigen Ergebnissen. Bisweilen füllte
man in früherer Zeit die Wissenslücken mit Anleihen aus dem
Koran auf. Im Folgenden beziehe ich mich auf Aussagen des
Theologen Gerhard Lohfink, der durchaus vor dem Hintergrund der
modernen Welt folgende Thesen aufstellt:
Auf den Zusammenhang
zwischen "Wahrheit - Sinn und Gott" wurde ja bereits im Punkt
6.3. im Semester 11/2 hingewiesen.
3.4.2.2. Nahtoderfahrung /
Todesforschung (Dr. Schröter-Kunhardt) und moderne Hirnforschung (siehe Punkt 2.4.3. im Skript von 11/1)
3.4.2.3.
Kollektive
Eschatologie - Zukunftsvisionen der Bibel
Klassische Bibelstellen: Altes Testament
Die "Völkerwallfahrt zum Berg Zion" - "Schwerter zu Pflugscharen": Micha 4, 1-5 und Jes, 2, 2-4 (siehe Buch Leben gestalten 12, S. 76)
"Wolf beim Lamm": Jesaja 11,
1-10 (siehe Buch Leben gestalten 12, S. 77)
Weltgericht und Zusammenführung des Volkes Israel: Jesaja 24 - 27
Weltgericht und Zusammenführung der Völker: Jesaja 63 - 66
Die Weltreiche und das Reich Gottes: Daniel 2, 31 - 49
Die Auferstehung der Toten: Daniel 12
(Das Judentum vor dem
babylonischen Exil kannte weder ein absolutes Ende der
Geschichte noch die Unsterblichkeit des Menschen!)
(Foto: R.
Pfeiffer, 24.02.2007)
Blick über Jerusalem: Das rechte Viertel des Ölbergs
im Hintergrund besteht nur aus Gräbern - alle bieten beste Sicht
auf den Zion, den Ort der Erscheinung des Messias am Jüngsten
Tag (Christen rechnen entsprechend mit der Wiederkunft Christi,
des Messias)
Klassische Bibelstellen: Neues Testament
Endzeitvisionen Jesu in den Evangelien: Mk 13 und Parallelen bei Matthäus und Lukas (siehe Buch Leben gestalten 12, S. 79)
Paulus im Römerbrief 8: Die ganze Schöpfung befindet sich in einem Geburtsvorgang und wartet auf die Vollendung
Offenbarung (des Johannes) 17 - 22 (21,9 - 22,5: Das neue, himmlische Jerusalem)
Diese Stellen verlegen das Kommen des Reiches Gottes in die Zukunft.
Die Reich-Gottes-Botschaft
Jesu lebt von der Spannung des "jetzt" und "noch nicht", d.h.
das Reich Gottes nimmt jetzt seinen Anfang, bedarf aber noch der
Vollendung durch Gott in der Zukunft! Vielleicht ahnte
Jesus ja etwas von der Relativität der Zeit? Auch die kosmische
Bedeutung von Karfreitag und Ostern mit der Feier von Jesu Tod
und Auferweckung steht ja unter dieser raumzeitlichen
Spannung!
(siehe Buch Leben
gestalten 12, S.
80/81)
Der Evangelist Johannes geht von der Jetzt-Zeitigkeit des Gottesreiches aus:
Joh 3, 16: "Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zu Grunde geht, sondern das ewige Leben hat."
Joh 6,
54: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige
Leben und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag."
3.4.3.
Christliche Endzeithoffnung
Ein bloßes passives Warten
auf das Jenseits, wie im Mittelalter vorherrschend als die Erde
als "Jammertal" gesehen wurde, erscheint aus heutiger
theologischer Sicht als überholt. Das Kommen des Gottesreiches ist
sowohl das Werk Gottes als auch das Werk des Menschen. Das Lateinische kennt zwei
Formen des Futurs: 'futurum' - das was wird und 'adventus' - das
was kommt. Das Gottesreich ist so gesehen sowohl Leistung des
Menschen als auch Geschenk Gottes. Es gilt, sich hier und heute
für Frieden und Gerechtigkeit und damit für das Kommen des
Gottesreiches einzusetzen.
Das über vierzig Jahre alte
Textdokument "Unsere
Hoffnung" der sogenannten "Würzburger
Synode", einer gemeinsamen Synode aller Bistümer
Deutschlands, welche zwischen 1971 und 1975 tagte, um die
Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils umzusetzen, enthält
geradezu prophetische Worte, wenn in Teil IV: "Sendungen für
Gesamtkirche und Gesamtgesellschaft, 4. Für eine lebenswürdige
Zukunft der Menschheit" davon die Rede ist, wie der rasante
wirtschaftliche und soziale Wandel wohl bewältigt werden könne.
"Werden wir die in dieser Situation enthaltene Zumutung
aggressionsfrei verarbeiten können?" Prophetisch auch der
unbedingte Einsatz für das werdende wie auch das im Alter zu Ende gehende Leben. Auch der
globale Blick fehlt nicht mit der Forderung nach Einstehen für
Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden in der Welt. Alle Hoffnung
beim Einsatz für eine bessere Welt wurzelt aber in Christus. Bei
seiner Wiederkunft wird sich die Erde verwandeln: In den Bildern
der Offenbarung des Johannes ist die Rede ist von einem neuen
Himmel und einer neuen Erde, wo der Tod keine Macht mehr hat.
3.4.3.1. Jesus und die
Reich-Gottes-Botschaft - Das Gleichnis vom Senfkorn
Zentraler Punkt von Jesu Botschaft war die Ankündigung
des kommenden Gottesreiches. Immer wieder fasste er seine
Gedanken in Gleichnisse, so wie auch in das Gleichnis vom
Senfkorn (vgl. Markus-Evangelium,
4,30 ff.) Dort heißt es:
![]() Alle Fotos: R. Pfeiffer 2007 / 2011 |
![]() |
3.4.3.2.
Zukunftsgestaltung aus dem Glauben: Hans Küng und das Projekt
Weltethos
Handout
Die Erklärung zum Weltethos auf Deutsch
4. Christentum im
Spiegel des Credo
4.1. Das trinitarische
Gottesverständnis (siehe Punkt
3.4.2. im Skript von 11/1 sowie Punkt 8.2. im Skript von 11/2)
4.2.
Das Credo -
eine Zusammenfassung des 250-seitigen Buches von Hans Küng
durch den luxemburger Religionslehrer Jean-Louis Gindt
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für die einzelnen Abschnitte keine eigenen eindeutigen Adressen!
Im Unterricht werden die
einzelnen Abschnitte in Bezug gesetzt zu den in den annähernd
letzten zwei Jahren behandelten Themenbereichen!
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letzte Änderung/ last update: 19.07.2020 |