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Katholische Religionslehre 17/19 PFE - Stoffüberblick
Jahrgangsstufe 11 - 2. Kurshalbjahr - Inhaltsverzeichnis
C. Verantworteter Gottesglaube:
Anfragen, Ablehnung, Annäherungen
4. Gott - ein schillernder Begriff
4.1. Gottesvorstellungen
unserer Zeit
4.1.1. Gotteschiffren in der modernen
Kunst
4.1.2. Das Gleichnis vom Elefanten
4.1.3. Subjektive (Zerr-)Bilder von Gott
4.1.4. Erfahrung des Göttlichen in der
säkularen Welt
4.1.4.1. Israelische Soldaten und die Klagemauer
4.1.4.2. Nahtoderfahrung / Todesforschung (Dr.
Kunhardt-Schröter) und moderne Hirnforschung
4.2. Die Genese von
Gottesvorstellungen - Gottesbild und Sozialisation
4.2.1. Etymologie des Wortes "Gott"
4.2.2. Wandlungen des Gottesbildes im Laufe der
Geschichte
4.2.2.1. Das alttestamentliche
Bilderverbot
4.2.2.2. Der Wandel des
Gottesbildes unter dem Einfluss soziologischer Bedingungen
4.2.2.3. Die Erfüllung der Bildsehnsucht des
Menschen in Jesus Christus
4.2.2.4. Einige
Aspekte feministischer Theologie
4.2.3. Die
Entwicklung von Gottesbildern im Laufe eines Lebens
4.2.3.1. Die
Bedeutung
von Mutter und Vater für die Entwicklung der Gottesvorstellung
4.2.3.2. Gottesvorstellungen
bei Kindern (Dias)
4.2.3.3. Fragwürdige Gottesvorstellungen
4.3. Der Zusammenhang von Gott - Sinn - Wahrheit
4.4. Die
Theodizeefrage als Anfrage an das Bild vom guten Gott
4.5. Albert Camus: Atheismus als Protest
gegen das Leid in der Welt
5. Gottesglaube
vor
dem Anspruch der Moderne
5.1. Klassiker der Religionskritik
5.1.1. Ludwig Feuerbach (1804 - 1872)
5.1.2. Der Marxismus
5.1.3. Friedrich
Wilhelm
Nietzsche
(1844 - 1900)
5.1.4. Sigmund
Freuds psychoanalytischer Atheismus
5.1.5. Jean-Paul
Sartre: Atheismus im Namen der Freiheit!
5.2. Formen des Atheismus
5.3. Methodischer Atheismus in der
Naturwissenschaft
5.3.1. Das Erbe des Szientismus
5.3.2. Das Verhältnis von Naturwissenschaft
und Theologie
6. Glaube
und Vernunft
6.1. Gottesbeweise?
6.1.1. Zur Geschichte der "Gottesbeweise"
(Textblatt)
6.1.2. Anselm
von Canterbury (1033-1109): "Ontologischer Gottesbeweis"
6.1.3. Die "quinque viae ad Deum" des Thomas
von Aquin (1225-1274)
6.1.4. Kritik der Gottesbeweise: Immanuel Kant
(1724-1804), genannt der "Allzermalmer"
6.1.5. Glauben ohne Beweise?
6.3. Allah - das
Gottesbild des Islam
D. Das christliche Menschenbild
7. Der moderne Mensch
7.1. Lebensstile und Sinnoptionen
7.2. Was ist der Mensch? -
Menschenbilder
7.2.1. Das Menschenbild der Logotherapie (Psychologisches
Menschenbild) > siehe Skript Q11/1
Punkt 1.4.
7.2.2. Das Menschenbild der Psychoanalyse > siehe Punkt 5.1.4.
7.2.3. Das Menschenbild des Islam > siehe auch Punkt 6.3.
7.3. Die biblisch-christliche Sicht vom
Menschen
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C. Verantworteter Gottesglaube: Anfragen, Ablehnung, Annäherungen
4. Gott - ein schillernder Begriff
4.1.
Gottesvorstellungen unserer Zeit
4.1.1.
Gotteschiffren in der modernen Kunst
Bild "Le Rossignol" von René
Magritte
Seine Gedanken zum Gottesbegriff in
unseren Tagen hat der belgische Maler René Magritte (1898 -
1967) in seinem 1962 entstandenen Bild "Le Rossignol" auf
subtile Weise ausgedrückt, hat der Titel als solcher zunächst
keine inhaltliche Entsprechung zur Darstellung im Bild. Doch "Le
Rossignol" ist durchaus zweideutig gemeint: in der einen
Bedeutung handelt es sich um die Nachtigall, deren verlockender
und betörender Gesang mitten in der Nacht erklingt. So gesehen
ist die Religion nicht tot, sondern in einem veränderten Kontext
wieder neu attraktiv. In der zweiten Bedeutung ist "Le
Rossignol" als "Ladenhüter" zu übersetzen und deutet auf das
abnehmende Interesse an der Religion in unserer Zeit.
Das Bild lenkt durch ein einem romanischen Bogen nachempfundenes
Fenster den Blick des Betrachters auf den Brüsseler
Rangierbahnhof "Josaphat" - Namensgeber ist das Tal Josaphat in
Jersualem. Doch die Gleise sind weitgehend leer bis auf
einen einzigen Zug aus dem Dampflokomotivenzeitalter. Die
Rauchfahne der Dampflokomotive verschmilzt / weitet sich aus zu
einer großen weißen Wolke, auf der eine Gottvaterfigur mit
Weltapfel thront. Ist auch er ein Fossil aus einer längst
vergangenen Zeit? Was lenkt er? Was beherrscht er? Die
Pastelltöne des Bildes imitieren zudem den sogenannten Nazarenerstil,
einer romantisch-religiösen Kunstrichtung des 19. Jahrhunderts.
Ein Beispiel für diesen Stil findet sich über dem Eingang des
zum Hans-Carossa-Gymnasium gehörenden "Realschulgebäudes":
weitere Werke von René
Magritte
Beschreibung (Bild nicht mehr
im Internet): Eine Installation
von Joseph
Beuys in der Pinakothek der Moderne, München
Was ein Klumpen Lehm auf Stroh und
ein altmodisches schwarzes Telefon aus Bakelitkunststoff mit
langer Leitung auf einem gemeinsamen Brett als Träger
miteinander zu tun haben sollen, bleibt zunächst rätselhaft.
Der Lehmklumpen weist auf die Erschaffung der Menschen aus Lehm
hin, ein Motiv, das sich sowohl in der Bibel wie auch in der Prometheussage
findet. Lehm ist tote Materie und nach dem Tod kehrt der
menschliche Körper zu diesem Zustand zurück. Was also ist Leben?
Das Telefon ist ein Kommunikationsmittel: Leben ist in erster
Linie nicht Leib und Materie, sondern Geist und Kommunikation!
Der Lehmklumpen ist auf Stroh gebettet: Man mag darin einen
Hinweis auf die Menschwerdung Gottes im Stall zu Behtlehem
erblicken: Hat Gott mit der Welt kommuniziert, hat er sich
selbst geoffenbart? Die Frage bleibt offen, ebenso, wer
möglicher Weise am anderen Ende der langen Telefonleitung zu
finden ist. Endet die Leitung vielleicht im Nichts? Oder gibt es
vielleicht doch jemanden am anderen Ende und das Telefon kann
seinem eigentlichen Zweck, der Kommunikation, dienen?
Beide Kunstwerke sind für sich
genommen schwer verständlich, beschreiben aber in genialer Weise
die Situation den Menschen vor dem Hintergrund von Religion und
Gottesfrage.
4.1.2. Das Gleichnis vom Elefanten
- Textblatt: Das Gleichnis von den
Blinden und dem Elefanten (aus dem persischen Sufismus, aber
ebenfalls aus dem Buddhismus bekannt)
Das Grundproblem liegt darin, dass
keiner der Blinden den Elefanten als Ganzes "begreifen" kann,
sondern allenfalls subjektiv Teilaspekte wahrnimmt.
Die Bezeichnung Gottes als Jahwe gibt genau diesen Aspekt
wieder, wenn man Jahwe richtig mit der Zukunftsform übersetzt:
"Ich werde als der da sein, als der ich da sein werde".
4.1.3.
Subjektive (Zerr-)Bilder von Gott
- Karikaturen bzw.
Definitionen - Satanistische Zerrbilder
Mit Hilfe von Karikaturen soll gezeigt werden, dass hinter manchen heute gehandelten Gottesbildern keine echten religiösen Erfahrungen stehen, sondern sich Wunschdenken verbirgt:
- Gott als "alter Opa", der einem
nichts (mehr) zu sagen hat.
- Gott als "entrückter König", den es zwar geben mag, der aber
keinen Einfluss auf die Welt ausübt.
- Gott als "der große Zauberer", der als Herr über die Natur für
Überraschungen gut ist.
- Gott als Lebensversicherer für die Wechselfälle des Lebens im
Sinne des "do, ut des"!
- Gott als Wahrer der Gerechtigkeit, als derjenige, der gutes
Verhalten und Leistungsbereitschaft belohnt, falsches Verhalten
bestraft und im Übrigen als "Weltpolizist" dafür sorgt, dass auf
der Welt Ordnung herrscht.
In stark gebrochener Form lassen
selbst Darstellungen aus der satanistischen Szene, z. B.
Plattencover, erkennen, dass hier mit der Umkehrung altbekannter
Gottesvorstellungen und -darstellungen versatzstückartig
umgegangen wird. Ohne diesen Hintergrund würden die
Darstellungen vermutlich ins Leere laufen und unverständlich
bleiben. Was sonst sollte z.B. ein auf den Kopf gestelltes Kreuz
symbolisieren?
Nach den Ausführungen von Wikipedia
scheint es sich beim Satanismus
im Wesentlichen um ein neuzeitliches Phänomen zu handeln.
Wichtig in diesem Zusammenhang, scheint allein die Tatsache,
dass Satanismus ohne ein pervertiertes, d.h. ins Gegenteil
verkehrtes Gottesbild gar nicht funktionieren würde.
4.1.4. Erfahrung des Göttlichen in der
säkularen Welt
Auch wenn Religion immer wieder
totgesagt wurde, so gibt es doch offensichtlich ein weit
verbreitetes religiöses Bedürfnis, d.h. es scheint, dass der
Mensch auf Transzendenz hin angelegt ist. Die Ausgabe vom 29.
November 2004 betitelte das TIME-Magazin mit "The
God Gene. Does our DNA compel us to seek a higher power?
Believe it or not, some scientists say yes."
Zu diesen Wissenschaftlern zählt
ohne Zweifel der britische Meeresbiologe Alister
Hardy, der 1969 das "Forschungszentrum Religiöse
Erfahrung" (Religious
Experience Research Centre) an der Universität von Wales
gründete. Eines seiner Bücher heißt Der Mensch- das betende Tier. Religiosität als
Faktor der Evolution. Demnach ist Religiosität von
der Evolution vorgesehen und biologisch begründet. Hardy's
Forschungsrichtung wird inzwischen wissenschaftlich anerkannt,
auch wenn seine religiöse Deutungen auf Widerspruch stoßen.
Ein atheistisch orientierter Biologe formulierte es so: "Der
Glaube an Gott als die Ursache von allem ist ausgesprochen
hilfreich und nützlich, vielleicht ist er sogar der tollste
Trick, der sich im Verlauf der Evolution eingestellt hat -
auch wenn er auf einem Irrtum beruht."
(Quelle: Jürgen Kuhlmann "Licht aus senkrechter Spannung.
Christlich denken im säkularen Zeitalter", Katholische
Welt.
Radio Bayern 2, 21.02.2010, 8.05
- 8.30 Uhr)
Gibt es das God-Gen tatsächlich? Meldungen aus Russland scheinen
dies zu belegen, denn wenn es auch nur annähernd stimmt, dass die
orthodoxe Kirche in Russland seit dem Amtsantritt von Patriarch
Kyrill I. im Jahr 2009 neben vielen Gläubigen in 5000 neu
gegründeten Pfarreien auch noch 10 000 Priester hervorgebracht und
die Gründung von mehr als 100 Klöstern erlebt hat, dann
erscheint solches Geschehen nach mehr als 70 Jahren mehr oder
weniger brutaler Unterdrückung der Religion und fortgesetzter
atheistischer Propaganda nur schwer erklärlich. Nach einer Meldung
in der Zeitschrift Christ in der Gegenwart (Nr. 27 / 2017)
bereiten sich in den russischen Seminaren aktuell ca. 6000 Männer
auf das Priesteramt vor. Allein im Jahr 2016 traten 1.600 Männer
neu in die Priesterseminare ein.
4.1.4.1. Israelische Soldaten und die
Klagemauer
- Textblatt
Der Holocaust-Überlebende Elie Wiesel beschäftigte sich mit der Frage, wie tief das Bedürfnis nach Glauben im Menschen verwurzelt ist. Das Gebet vermittelt ein Gefühl der Inspiration so wie auch ein Schriftsteller sich vergleichsweise inspiriert fühlt. Im kommunistischen Moskau begann eine Gruppe nicht religiös erzogener Studenten, welche an einem jüdischen Feiertag wegen Überfüllung nicht in die Synagoge gelangen konnten, unter freiem Himmel zu singen. Und im 6-Tage-Krieg von 1967 wurden junge israelische Fallschirmjäger, die ohne Bezug zu ihrer Religion aufgewachsen waren, angesichts der Klagemauer in der ehemals jordanischen Altstadt von Jerusalem plötzlich von religiösen Gefühlen ergriffen. Die Tatsache, dass es sich zumeist um areligiöse junge Menschen handelte, wurde auch von Herrn Cfir Horev angesprochen, der eine Gruppe im Februar 2007 als israelischer Führer in Jerusalem zur Klagemauer begleitete.

(Foto: R. Pfeiffer, Februar 2007)
4.1.4.2. Nahtoderfahrung
/ Todesforschung (Dr. Kunhardt-Schröter) und moderne
Hirnforschung
entspricht Punkt 2.4.3. aus dem Semester 11-1
Manches spricht dafür, dass die
religiöse Erfahrungswelt zu allen Zeiten ganz wesentlich von Nahtoderfahrungen geprägt wurde und
dadurch die Hoffnung auf das Fortleben in einer Anderwelt
grundgelegt wurde.
Aktuell hierzu ein Podcast des Bayerischen Rundfunks, Sendung vom 18. März 2018:
Nahtod, Hirntod, Ganztod. Aus Nahtoderfahrungen lernen
4.2. Die Genese von Gottesvorstellungen - Gottesbild und Sozialisation
4.2.1.
Etymologie des Wortes "Gott"
4.2.2.
Wandlungen des Gottesbildes im Laufe der Geschichte
siehe auch Punkt 3.4.1. aus dem Semester 11-1
4.2.2.1. Das alttestamentliche Bilderverbot
Im Dekalog, den 10 Geboten, heißt es
u.a. "Du sollst dir kein
Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am
Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der
Erde." (Ex. 20,4).
Gegen dieses Verbot wurde in der Frühzeit des Judentums vielfach
verstoßen, wie u.a. die Begebenheit vom "Goldenen Kalb" zeigt.
Auch in der Königszeit mussten immer wieder Götzenbilder aus dem
Tempel entfernt werden. Erst nach dem babylonischen Exil hatte
sich das Bilderverbot endgültig durchgesetzt.
Hier ist anzumerken, dass das alttestamentliche Bilderverbot manche Kirchen veranlasst hat, ganz auf bildliche Darstellungen in Kirchenräumen zu verzichten. So finden sich in calvinistisch-reformierten Kirchen, zu finden beispielsweise im württembergischen Raum, nicht einmal Kreuze in den Kirchen, sondern nur Altäre.
Die lutherischen Kirchen sind in punkto Bilder toleranter und kennen zumindest Darstellungen des Gekreuzigten in ihren Kirchen, wenn auch keine Heiligenstatuten oder -bilder.
In der römisch-katholischen wie auch in den orthodoxen Kirchen
verzichtet man nicht auf bildliche Darstellungen der
Heilsgeschichte, sondern im Gegenteil: den Bildern kommt
erhebliche Bedeutung als Anschauungs- und Meditationshilfen zu.
Unter dieser Voraussetzung scheint kein Verstoß gegen das
alttestamentliche Bilderverbot vorzuliegen, werden die Bilder
selbst doch nicht als beseelte Gottheiten verstanden, sondern
allein als Hilfen, welche die Gedanken auf Gott lenken wollen.
Bilder sind keine Götter, auch in der Orthodoxie nicht, wo man
immerhin glaubt, dass man durch die Augen der dort Ikonen
genannten Bilder unmittelbar mit den Heiligen bzw. mit Maria und
Jesus in Kontakt treten kann, weil die göttliche Kraft durch sie
hindurchfließt.
4.2.2.2. Der Wandel des Gottesbildes unter dem Einfluss soziologischer Bedingungen
div. Medien / Textblatt
Auch zu Zeiten des
alttestamentlichen Bilderverbotes wirkten die Lebensumstände
zurück auf das Gottesbild. In der Nomadenzeit Israels war es
wichtig, einen ortsunabhängigen, mitwandernden Gott zu haben,
der in besonderer Weise in der Bundeslade im Allerheiligsten des
Bundeszeltes präsent war. Mit der Sesshaftwerdung des Volkes
Israels wandelte sich auch die Vorstellung von Gott: Der Gott
des salomonischen Tempels war ebenfalls sesshaft geworden, er
war ortsgebunden, so ortsgebunden, dass es drei mal im Jahr
große Wallfahrtsfeste gab (Paschah; Schawuot - 7- Wochenfest;
Sukkot - Laubhüttenfest), an denen das Volk sich auf den Weg zu
Gott machen und vor dem Herrn erscheinen sollte.
Ähnliche Veränderungen unter dem Einfluss der Zeitumstände
lassen sich beispielsweise auch an Darstellungen Christi in der
Kunst nachweisen, z. B.
bis ins 4. Jahrhundert kam die Christenheit ganz ohne Kreuzesdarstellungen aus. Beliebt waren Darstellungen des Schafträgers, der bei den Römern als Inbegriff der Menschenfreundlichkeit bekannt war. Die Botschaft von Jesus als dem guten Hirten fand hier einen Anknüpfungspunkt und dies wiederum erklärt, warum die frühesten christlichen Bilder in Rom oftmals den guten Hirten zeigen. Gewissermaßen populär waren aber auch Bilder, die Christus als Lehrer, als Orpheus oder als Sonnengott zeigen. In verschlüsselter Form wurde das als Glaubensbekenntnis in Form eines Akronyms nach seinen Anfangsbuchstaben zu deutende griechische Wort ICHTHYS = Fisch > aufgeschlüsselt als J(esus) Ch(ristos) Th(eou)=Gottes (h)Y(os)=Sohn S(oter)=Retter zu verstehen < zum Erkennungszeichen der Christen. Erst nachdem im Römerreich keine Hinrichtungen per Kreuz mehr stattfanden, wurde auch das Kreuz - zunächst verstohlen als schlichtes Triumphkreuz - zum Christensymbol. Kein Wunder also, dass die älteste Kreuzesdarstellung in Rom (Santa Sabina auf dem Aventin), die Christus als den Gekreuzigten zeigt, erst vom Anfang des 6. Jahrhunderts stammt.*
Nachdem Kaiser Konstantin den Christen Religionsfreiheit zugestanden hatte, änderte sich die Bildersprache dahingehend, dass Jesus als Kaiser bzw. Weltenherrscher mit allen Insignien kaiserlicher Macht dargestellt wurde.
romanische Kreuzigungsdarstellungen
Sie stammen aus
der Zeit des Feudalismus und spiegeln vor allem die königlichen
Züge wieder. Statt einer Dornenkrone trägt der Gekreuzigte einen
Goldreif bzw. eine Krone auf dem Kopf, den er ist der höchste
König.
Der „Große Gott von Altenstadt“ in
der Basilika St. Michael in Altenstadt / Schongau - Foto: R. Pfeiffer, Januar 2013
4.2.2.3. Die Erfüllung der Bildsehnsucht des Menschen in Jesus Christus
Der menschliche Drang zur Verbildlichung hat sich in den verschiedenen Religionen unterschiedlich Bahn gebrochen. Religionen wie der strenge Buddhismus, das Judentum und der Islam lehnen Bilder vollkommen ab. Das Christentum ist hierzu geteilter Meinung und der Hinduismus ist geradezu bildvernarrt. Dort wo alle Bilder verboten sind, nimmt der Glaube sehr schnell eine wenig konkrete, abstrakte Form an. Der Mensch drängt jedoch zur Veranschaulichung. Nach christlicher Meinung hat Gott selbst diesem Drängen nachgegeben, indem er Jesus als sein Ebenbild auf die Erde sandte. Deshalb dürfen wir Christen uns Gott durchaus in menschlicher Gestalt vorstellen, denn so glauben wir und verkünden wir jede Weihnachten aufs Neue: Gott selbst ist Mensch geworden. Spätestens an diesem Punkt sollten alle Diskussionen über Bild ja oder Bild nein enden.
Viele Spekulationen ranken sich um das Christusbild von Manoppello. Handelt es sich um ein quasi fotografisches Abbild Jesu? Immerhin befindet sich das Portrait auf einem Byssusgewebe, auf welches sich keine Farbstoffe auftragen lassen, weil diese abperlen würden. Alle Gemäldetheorien scheiden somit aus.
4.2.2.4.
Einige Aspekte feministischer Theologie
Ausgehend von der gesellschaftlichen
Frauenbewegung der 70er-Jahre fordern Frauen seit ca. 30
Jahren ihre Gleichstellung in kirchlichen Ämtern. Dies hat zu
einer grundlegenden theologischen und wissenschaftskritischen
Reflexion geführt, welche es sich zum Ziel gesetzt hat, die
einseitig patriarchalischen Einflüsse in den Kirchen und in der
Theologie zumindest zu relativieren. Die Bibel selbst und auch
die kirchliche Tradition enthalten hierzu viele Elemente. Im
Folgenden sollen einige der neuen Sichtweisen und Erkenntnisse
dargestellt werden
.
|
|
Kirche von Urschalling: Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit mit "Hl. Geistin" - Foto: R. Pfeiffer, Mai 2003
|
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Pestepitaph von Hans Leinberger in der Kirche St. Kastulus in Moosburg (Foto: R. Pfeiffer, Februar 2005)
HURRA! DIE APOSTOLIN JUNIA IST NACH CA. 1000 JAHREN ZURÜCK!!! IN
DER NEUEN AUSGABE DER EINHEITSÜBERSETZUNG VON 2016
steht:
4.2.3.
Die Entwicklung von Gottesbildern im Laufe eines Lebens
4.2.3.1. Die Bedeutung von Mutter und Vater für die Entwicklung der Gottesvorstellung
Begriffe: "Urvertrauen", "Urmisstrauen", "Ambivalenzerfahrung", "Ödipuskonflikt"
Grundlage des folgenden Schemas ist ein Aufsatz des Utrechter Professors der Psychiatrie J(ohannes). H(erbert). Plokker (*1907 in Rotterdam, +1976 in Doorn): Zerbrochene Gottesbilder. Mit Beiträgen von Th. C. De Kruiff/ P. Van Hooijdonik / J. H. Plokker / W. Zandbelt / W. J. Veldhuis / J. H. Huijts (Freiburg, 1969) S. 68 - 71
Sofern Plokker auf sich auf Freud
und den Ödipuskomplex bezieht, sind aus heutiger Sicht Zweifel
angebracht, ob eine solch relativ starres Entwicklungsschema den
tatsächlichen Gegebenheiten entspricht. Dennoch - und darauf
kommt es an - kann verdeutlicht werden, dass zwischen
frühkindlichen Erlebnissen und dem späteren Gottesbild, sofern
vorhanden, ein Zusammenhang besteht. Werden die Grundbedürfnisse
eines Kindes (Wie im Survival-Handbuch: 1. Warm 2. Satt 3.
Trocken) befriedigt, so entwickelt sich ein Urvertrauen, d. h.
auf die Welt / auf die Mutter bzw. die Eltern ist Verlass.
werden die Bedürfnisse permanent nicht erfüllt, so reagiert das
Kind mit einem das spätere Leben prägenden Urmisstrauen. Aus dem
Urvertrauen heraus kann der Mensch auf alle Fälle sehr viel
leichter ein positiv eingefärbtes Gottesbild entwickeln, während
Urmisstrauen zu einem verfinsterten Gottesbild führt.
|
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4.2.3.2. Gottesvorstellungen bei Kindern (Dias)
Biografische Ereignisse und
kuklturelle Einflüsse prägen die Gottesvorstellung von Kindern
und somit deren Gottesbild, wobei ein deutlicher
Stadt-Land-Unterschied zu Tage tritt. Auf dem Land fällt es
leichter, die grundlegenden Zusammenhänge zwischen Werden und
Vergehen und somit Gottes Spuren in der Natur wahrzunehmen.
Dennoch ist Gotteserfahrung auch in der Stadt möglich, so wie
dies schon 1965 der amerikanische Theologe Harvey Cox
in seinem damaligen Bestseller "Stadt ohne Gott?" [orginal 'The
Secular City'] postulierte.
4.2.3.3. Fragwürdige Gottesvorstellungen
Textblatt: Marielene Leist:
"Ich suchte einen Gott, der weint und trauert"
4.3. Der Zusammenhang von Gott - Sinn - Wahrheit
Theologen und Psychologen kennen seit längerem das letztlich religiöse Grundbedürfnis des Menschen, das sich auch dort zeigt, wo von Gott nicht mehr die Rede ist.
Frau Dr. Lukas vom Süddeutschen Institut für Logotherapie berichtete auf einem Vortrag in Landshut von einer Familie in Schweden, bei der sie zu Gast war. Der Mann hatte als Jude die deutschen Konzentrationslager überlebt und bezeichnete sich - nicht zuletzt auf Grund des im KZ Erlebten - als Atheisten. Beim Abschied nach dem Essen im Landsitz der Familie blieben alle unter dem Kronleuchter in der Eingangshalle stehen, fassten sich an den Händen und sagten "Danke!". Die Frage von Frau Dr. Lukas, was dies zu bedeuten hätte, wurde so beantwortet: "Das machen wir immer so. Nach all dem Schlimmen, das ich erlebt habe, ist es alles andere als selbstverständlich, dass ich eine Familie habe, dass ich im Wohlstand lebe, dass es mir bzw. uns gut geht." Offen blieb die Frage, an wen sich das "Danke" denn nun gerichtet habe.
Einen interessanten Ansatz bietet auch der Text des Liedes "Land unter" von Herbert Grönemeyer. (siehe Punkt 1.2. aus dem Semester 11-1) Hier heißt es beispielsweise: "Zünd die Feuer an, das ich dich finden kann, steig zu mir an Bord ..." oder "... fass mich ganz fest an, dass ich mich halten kann, bring mich zu Ende, lass mich nicht mehr los!" Das hier vorgestellte "Du" sprengt jedenfalls alle menschlich möglichen Dimensionen.
4.4. Die
Theodizeefrage als Anfrage an das Bild vom guten Gott
Theodizee
von gr. theos (=Gott) und gr. dikaios
(=Recht): Wie kann Gott sich angesichts der
Missstände und des Bösen in der
Welt rechtfertigen bzw.
wie kann die Annahme von der Existenz eines guten Gottes
gerechtfertigt werden? Das "Copyright" für den Begriff
"Theodizee" gehört dem Philosophen, Mathematiker und
Naturwissenschaftler Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716),
der in der Welt eine "prästabilierte Harmonie" zu erkennen
glaubte. Diese sehr optimistische Sicht der Welt wurde durch das
fürchterliche Erdbeben vom Allerheiligentag 1755 in Frage
gestellt, welches Lissabon weitgehend zerstörte, wobei die Zahl
der Todesopfer nach Schätzungen irgendwo zwischen 30 000 und 100
000 anzusiedeln ist.
vgl.
Buch Leben
gestalten 11
S. 96
Text: Lisette Eichner, ,,Wer hat gesündigt" in CiG
Nr. 45l94
Der
Begriff "Sünde" ist eng verwandt mit dem Begriff "Sund". In
unseren Breiten nicht so geläufig, beschreibt ein Sund einen
Meeresarm, der Land von Land trennt. "Sünde" beschreibt demnach
die Trennung von Gott.
Traditionell
unterschieden
werden
das
,malum
physicum'
und
das
,malum
morale'.
Das
physische
Übel
beinhaltet
Naturkatastrophen,
Krankheit
und
Tod. (Bisweilen ist in diesem Zusammenhang auch vom 'malum
metaphysicum' die Rede.) Dies scheint einem allgütigen Gott zu
widersprechen. Ist Gott machtlos oder ein Sadist?
4.5. Albert
Camus: Atheismus als Protest gegen das Leid in der Welt
Buch Leben gestalten 11 S. 97; Textblatt "Sisyphos" und Auszug aus "Die Pest"
Der französische Existentialismus lehnt die Existenz Gottes radikal ab. Für Camus gibt es nur ein echtes philosophisches Problem - den Selbstmord. Was hindert einen Menschen daran, schon jetzt Suizid zu begehen, wenn der Tod sowieso das unausweichliche, sinnlose Ende menschlichen Daseins ist? Die Flucht in die Religion mit ihren illusorischen Vertröstungen bezeichnet Camus als "geistigen Selbstmord!" Das Dasein ist von einer Grundstimmung des Ekels gekennzeichnet und absurd. Angesichts dieser Situation ist das einzige, was der Mensch entgegenzusetzen hat, ein Heroismus nach Art des Sisyphos. Camus deutet die Tätigkeit des Sisyphos aber dahin gehend, dass dieser der Strafe der Götter, nämlich den Felsen sinnloserweise auf den Berggipfel zu befördern wo er ihm wieder entgleitet und das Spiel von Neuem beginnt, dadurch den Strafcharakter genommen hat, dass er zuinnerst in diese seine Tätigkeit einwilligt und sich das, was als Strafe gedacht war, zur freiwilligen Aufgabe gemacht hat.
5. Gottesglaube vor dem Anspruch der
Moderne
5.1. Klassiker der
Religionskritik
5.1.1. Ludwig Feuerbach (1804 - 1872)
Buch Leben gestalten 11 S. 98/99
Ludwig Feuerbach wurde 1804, im Todesjahr von
Immanuel Kant, in unserer Stadt Landshut geboren. Vielleicht ist
Landshut zu katholisch, jedenfalls gibt es in der Stadt keinen
direkten Hinweise auf ihn - die Feuerbach-Straße ist laut
Adressbuch seinem Vater, dem Rechtsgelehrten Anselm Feuerbach
gewidmet, ebenso die Inschrift an Ludwig Feuerbachs Geburtshaus
in der Neustadt 457, die ihn aber zumindest neben seinem Bruder
Friedrich Feuerbach - beide werden als Philosophen vorgestellt -
namentlich erwähnt.
Tafel am Haus Neustadt 457, Landshut Foto:
R. Pfeiffer (Jan. 2007)
3 Phasen des Ludwig Feuerbach (im Laufe seines Studiums):
1.) Theologiephase
2.) Philosophiephase
3.) Anthropologiephase
=>
Theologie muss zur Anthropologie werden!!!
Religion ist die Entfremdung des Menschen von sich selbst
Gott ist ein unbewusster Teil des menschlichen Selbstbewusstseins.
In gewisser
Weise dreht Feuerbach den biblischen Satz von der Erschaffung
des Menschen nach dem Abbild Gottes ins Gegenteil um:
"Der Mensch schuf sich Gott nach seinem Bild und Gleichnis"
=> Gott ist eine Projektion des menschlichen Wesens,
wobei es sich nach Feuerbach um das unbewusste Selbstbewusstsein des Menschen selbst
handelt.
Der
Mensch
hat
lauter
negative
Eingenschaften:
Er
ist
beschränkt
wissend,
gütig,
bisweilen
machtlos
und
letztlich
sterblich!
Gott hingegen werden genau die gegenteiligen Eigenschaften
zugesprochen: Gott
ist unendlich, unsterblich, allwissend, allmächtig
Diese Entzweiung
des Menschen mit sich selbst gilt es zu durchschauen! Dann wird
er sich die göttlichen Eigenschaften selbst zuschreiben, d.h.
nach Feuerbach gelangt der
Mensch zu größerer Reife, wenn er diese Illusion bzw. die
Tatsache der Projektion durchschaut und
Gott die genannten Eigenschaften ab-
und sich selbst zuspricht. Da der Mensch nun das höchste Wesen
ist, das existiert stellt
Feuerbach die Forderung nach einem Humanismus als
angemessener Form des Umgangs zwischen
Mensch und Mensch auf: > Homo
homini deus! Der Mensch ist das höchste Wesen, nicht Gott!

Einwände gegen Feuerbach:
Religion und Gottesvorstellung sind nicht das selbe, wie das Beispiel des (strengen, ursprünglichen) Buddhismus belegt, der ganz ohne Gottesvorstellung auskommt.
Positiv an Feuerbach ist zu
würdigen, dass er aufzeigt, dass das Entstehen von Gottesbildern
immer der Gefahr unterliegt, dass darin unbewusste Wünsche
enthalten sind bzw. die Oberhand gewinnen. Im Punkt 4.1.3. wurde hierauf näher
eingegangen.
5.1.2. Der Marxismus
Buch Leben gestalten 11 S. 99
Karl Marx
rezipierte Feuerbach: Für Marx stand fest, dass Feuerbach zur
Religion fast alles gesagt
hatte, was es zu sagen gab, nur habe er die sozialen
Ursachen außer Acht
gelassen. Marx betrachtete deshalb die Religion vom
gesellschaftlichen Standpunkt her:
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Der eigentlich alles bestimmende Faktor ist die Materie in Form wirtschaftlicher Verhältnisse. In Abhängigkeit davon entwickelt sich je nach den Gegebenheiten der "ideologische Überbau". Marx erlebte die Zeit des Kapitalismus im 19. Jahrhundert und damit das Elend der Arbeiterschaft hautnah. Dabei stufte er die Religion folgendermaßen ein:
=> Religion spendet dem geschundenen Menschen Zuflucht und Trost
=> Religion ist eine Flucht vor der Wirklichkeit (“Opium des Volkes”)*
=> Menschen müssen die Illusion durchschauen und sich nicht von der Kirche abhängig machen
=> Nur
durch Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse, d.h. durch
Revolution, können sie ihre Position verbessern. Geht es den Arbeitern erst
ein mal gut, wird sich das Thema Religion von alleine erledigen,
denn
dann
bedürfen
die
Arbeiter
nicht
mehr
der
Religion
als
Opium,
d.h.
als
Trostmittel,
das
sie
im Elend auf ein besseres
Jenseits vertröstet.
5.1.3. Friedrich
Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
Buch Leben gestalten 11 S. 100/101
Sein Werk ist nicht systematisch aufgebaut, sondern in vielen Schriften finden sich zerstreut seine Gedanken. Nietzsche besticht auch heute noch durch seine Sprachgewalt.
Auch Nietzsche entlarvt die Religion als Illusion, genauer und näher an seinen Worten, als Lüge, welche um der Wahrheit willen aufgegeben werden muss: Gott ist tot! Nietzsche verkündet den Tod Gottes! Nietzsche ist dabei durchaus bewusst, dass der Tod Gottes einen hohen Preis hat und Chaos nach sich zieht.
Nietzsche predigt ein biologistisches Menschenbild und überträgt somit in Parallele zu / Anlehnung an Darwin die Grundgedanken der Evolutionstheorie auf den Menschen:
5.1.4. Sigmund
Freuds psychoanalytischer Atheismus
vgl.
Buch Leben gestalten 11 S. 123 - 125
Sigmund
Freud wurde im 19. Jahrhundert geboren, dem Jahrhundert, welches
wissenschaftlich durch den Szientismus, eine übersteigerte Form
des Empirismus geprägt war. Wie Marx war er Materialist und der
Mensch demnach lebende Materie. Im Grund wollte er mit der von
ihm entwickelten Psychoanalyse so etwas wie eine "Mechanik des
Geistes" entwickeln, was ihm aber höchstens ansatzweise gelang,
denn immerhin entwickelte und benutzte er während seines
beruflichen Lebens drei völlig verschiedene Modelle der
menschlichen Psyche:
Bewusstsein
Unterbewusstsein
Das Unbewusste
=> aus dem Unbewussten kommen die meisten Impulse für das Verhalten des Menschen her
=> der Mensch ist gar nicht wirklich frei >
psychologischer Determinismus
Freuds Strukturmodelle der menschlichen Psyche sind miteinander nicht kompatibel, sondern sind als grundsätzlich verschiedene Ansätze zu sehen. Vieles von dem, was Freud im 1. Strukturmodell im Unbewussten ansiedelt findet sich beim 2. Strukturmodell in den Bereichen des "Es", aber auch des "Über-Ich".
Das "Es" (engl. "Id") umfasst vor allem die vitalen Treibkräfte des Menschen, die sogenannte Libido. Das "Es" arbeitet nach dem Lustprinzip. Im Bereich des Über-Ich (engl. "Superego") finden sich auf Grund der Erziehung die aus der Umwelt übernommenen Wert- und Moralvorstellungen. Quasi dazwischen befindet sich als Steuerungsmechanismus das überwiegend dem Bewusstsein zuzuordnende "Ich" (engl. "Ego"), welches nach dem Realitätsprinzip arbeitet und versucht zwischen den Impulsen des "Es" und den Verboten des "Über-Ich" den Mittelweg zwischen Lust und Unlust zu finden oder konkret: Wie viel Lust kann ich mir leisten, ohne dass die Unlust in Form von Sanktionen und nachteilen und evtl. auch Schmerz zu groß wird.
Beispiel aus der Schulsituation:
Sonnenschein, 25 Grad, Religionsunterricht am Nachmittag
von 14.00 - 14.45 Uhr - kein Schüler hat Lust in den Unterricht
zu gehen, jeder hat Lust in der Sonne zu liegen, doch gibt man
diesen Impulsen nach, könnte böse Worte des Lehrers oder gar
Schulstrafen Unlust erzeugen. Oder der Unterricht wird wann
anders nachgeholt. Also sagt das "Ich": besser in den Unterricht
gehen (Realitätsprinzip).
=> In keinem der Modelle haben die einen freien Willen, da
sie stets
vom Unbewussten bzw. durch Es und Überich gesteuert werden.
Der Ursprung der Gottesidee nach Freud:
=> Religion ist Wunschdenken und gründet auf infantilem
Verhalten
=> Vergleich des religiösen Verhaltens mit infantilem
Verhalten
=> Frage: Wie kommt der Mensch auf die Gottesidee?

Beim kleinen Kind werden diese Wünsche durch den leiblichen Vater abgedeckt. Stirbt der leibliche Vater schafft sich der Mensch in seiner Hilflosigkeit und Verzweiflung für das weitere Leben einen Übervater (=GOTT). Nach Freud entsteht also der Gottesglaube an der Bahre des leiblichen Vaters.
Die Gottesidee bezeichnet Freud als ILLUSION. Eine Illusion beinhaltet eine Wunschvorstellung, der Erfüllung zumindest sehr unwahrscheinlich ist, auch wenn ihre Nichterfüllbarkeit nicht bewiesen werden kann. Hält der Mensch nun an so einem falschen Verhältnis zur Wirklichkeit fest, so spricht man von einer Wahnidee. Dies geschieht für Freud durch die Religion, welche also letztlich eine Wahnidee beinhaltet und damit von Freud als krankhaft angesehen wird.
Bereits ein Freund Freuds, der
Schweizer Pfarrer Pfister, hakte hier ein und warf Freud vor,
dass er praktisch ausschließlich kranke Formen von Religiosität
kennen gelernt habe. Die Religion des Erwachsenen sei anderer
Natur und jedem Erwachsenen sei einsichtig, dass er seine
Problem nicht durch Wunschdenken in den Griff bekommen könne.
Auch der Psychologe Carl Gustav Jung,
ein Schüler Freuds, spricht von Freuds chronischer Unfähigkeit,
Religion zu verstehen. Für ihn, den Begründer der
Tiefenpsychologie ist sogar jedes psychische Problem jenseits
der Lebensmitte grundsätzlich ein religiöses Problem.
Freuds Ansatz ist materialistisch
bzw. empirisch. Von vorne herein kann es aus diesem Grund für
ihn keinen Gott geben. Auch streng philosophisch befasste er
sich nie mit dem Gottesbegriff und somit auch nicht mit den
philosophischen Argumenten für oder gegen eine Existenz Gottes.
Links:
|
|
Handout / Textblatt
vgl.
Buch Leben gestalten 11 S. 102/103
Aufteilung der Vorstellungen vom Sein in:
- être-en-soi: “an sich sein” (Harmonie)
=> Essenz geht der Existenz voraus (Bsp.: Handwerk -
ein Handwerker entwirft sein Produkt zunächst
im Kopf und setzt dann den Plan um. Ergebnis ist das fertige
Produkt.)
- être-pour-soi: “für sich sein” (charakteristisch für den
Menschen, der über sich selbst nachdenken, sich
selbst zum Objekt seines Verstandes machen kann.)
=> Existenz geht der Essenz voraus
=> der Mensch wird in die Welt gesetzt und weiß eigentlich
gar nicht,
was es überhaupt bedeutet, Mensch zu sein. Der Mensch muss sich
im Laufe seines Lebens
selbst definieren. (Der eine definiert sich als
Wissenschaftler, der andere als Revolutionär, der
andere definiert sich als Verbrecher, d.h. sie alle entwickeln
Modelle des Menschseins.)
Grundidee: Existenz des Menschen ist letztlich sinnlos
=> selbständige Sinngebung des Menschen
=> ständiges Suchen nach neuen Zielen
=> Grundgefühl des Ekels
Volle Verantwortlichkeit des Menschen für sich selbst
selbständige Wertsetzung durch den Menschen:
=> Bindung des eigenen Aktes an die Gesellschaft
=> ungeheure Verantwortung, die Gefühle der Angst, der
Verlassenheit
und der Verzweiflung hervorruft
=> Nährung des Grundgefühls des Ekels
unbedingte
Freiheit des Menschen:
=> um sich selbst definieren zu können, muss der Mensch frei
sein
=> Verdammung des Menschen zur Freiheit
=> Gott kann nicht existieren, da er auf Grund göttlicher
Vorhersehung die Freiheit einschränken würde;
göttliche Vorhersehung beinhaltet ja den Gedanken, dass der
Mensch sich gar nicht anders entscheiden
kann, selbst wenn er wollte.
trotziger
Entschluss des “Handelns des Menschen ohne Hoffnung”. Dies
verlangt Heroismus.
=> Selbstmord ist kein Ausweg
=> Sartres Ziel: Atheistischer Humanismus
Transzendenz bedeutet bei Sartre - er verwendet dieses Wort in
seinem eigenen Sinn - "Ich-
Überschreitung" (im Sinne einer Weiterentwicklung der Essenz)
5.2. Formen des Atheismus > siehe
Punkt
2.1.
Überblick über das Verhältnis von Glauben und Atheismus
5.3. Methodischer Atheismus in der
Naturwissenschaft
5.3.1. Das Erbe des Szientismus
> siehe
Punkt 2.2.5. Moderne
Dogmen: Materialismus, Empirismus, Atheismus
vgl.
Buch Leben gestalten
11 S. 104 - 107
5.3.2. Das Verhältnis von
Naturwissenschaft und Theologie

|
|
||
| Offenbarung |
Offenbarung
|
|
| NATUR |
HL.
SCHRIFT
|
|
| Naturgesetze |
Der
Weg des Menschen zum Heil
|
|
| Vernunft |
Glaube
|
|
|
|
|
Gedanken
zum Sonntag (erschienen
in der Landshuter Zeitung am 10. Dez. 1988) Zum Grundbestand des katholischen Glaubens gehört ein Satz, den das I. Vatikanische Konzil 1870 in den Rang eines Dogmas erhob: „Gott, aller Dinge Grund und. Ziel, kann im natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Sicherheit (!) erkannt werden." „Kann" heißt es hier, nicht „muss". Die freie Glaubensentscheidung jedes einzelnen Menschen bleibt somit unangetastet. Andererseits ergibt sich aus dieser Formulierung des Dogmas, dass die Kirche nicht einfach achtlos an den Erkenntnissen der modernen, Naturwissenschaften vorbeigehen kann, denn die Natur als Gegenstand naturwissenschaftlicher Forschung ist ja identisch mit dem, was der Glaube Schöpfung Gottes nennt. Können aber ausgerechnet die der Vernunft und Logik verpflichteten und traditionell eher atheistisch eingestellten Naturwissenschaftler Hinweise auf die Anwesenheit Gottes im naturwissenschaftlich beobachtbaren kosmischen Geschehen liefern? Ich meine, dass diese Frage aus folgenden Gründen bejaht werden kann: Die wahrscheinlichste Weltentstehungshypothese geht vorn sogenannten „Urknall" aus. Erst seit diesem scheinbar katastrophalen Geschehen des Urknalls gibt es die uns vertrauten Gegebenheiten von Materie, Raum und Zeit. Zudem sagen uns Astrophysiker, dass dieser Urknall recht genau dosiert gewesen sein muss, da es ansonsten nie zur Verdichtung der Materie zu Sternen und Sternenhaufen hätte kommen können. Nun führte der weitere Verlauf des kosmischen Geschehens nicht einfach hin zur Entstehung unserer Erde, sondern es waren dazu mindestens zwei weitere „Katastrophen" in Form explodierender Sterne (Supernovae) nötig. Nur eine erste solche Sternenexplosion konnte zur Bildung der heute auf der Erde jenseits des Kohlenstoffs vorhandenen höherwertigen chemischen Elements bis hin zum Uran führen. Während sich dann die „Asche" des
explodierten Sterns gerade zu einem neuen
Sonnensystem verdichtete, führte eine weitere
Supernovaexplosion zur Bildung des uns bekannten
heutigen Sonnensystems, denn nur eine derartige
weitere Katastrophe kann die in unserem Sonnensystem
vorhandene ungleichmäßige Verteilung der Massen auf
die Planeten einschließlich der Erde einerseits und
das Zentralgestirn der Sonne andererseits
hinreichend erklären. Damit nicht genug. Wie wir aus
der Beobachtung unserer Nachbarplaneten erkennen
können, befindet sich allein die Erde in einer
Entfernung von der Sonne, welche die Hervorbringung
von Leben ermöglichte unter der Voraussetzung, dass
hier zusätzlich die zur Hervorbringung von Leben
nötigen chemischen Bedingungen herrschten. Dieses
Leben hat zeitlich gesehen einen ungeheuer rasanten
Aufschwung vom Einzeller bis hin zum heutigen
Menschen genommen, wobei der in den Genen
gespeicherte Bauplan jedes Lebewesens zunehmend
komplizierter wurde, so kompliziert, dass in jeder
einzelnen (!) menschlichen Körperzelle der gesamte
„Bauplan" des betreffenden Menschen gespeichert ist,
ein Bauplan, der in gedruckter Form 5000 Bücher zu
je 200 Seiten füllen würde. Diese im kosmischen Geschehen verborgene Zielstrebigkeit ist vielen Naturwissenschaftlern inzwischen In den Blick geraten, auch wenn sie ihre Beobachtung nicht so recht zu deuten wissen. Aus der Sicht des Glaubens aber finden sich hier die Spuren einer Intelligenz, welche alle menschliche Intelligenz bei weitem übersteigt und die von Menschen der verschiedensten Religionen seit jeher als Gott verehrt und angebetet wird. Dass dieser Gott sich in Jesus vor annähernd 2000 Jahren mitten hinein in diese von ihm ins Dasein gerufene Welt begeben haben könnte, erscheint in dieser Zeit des Advents als ein fast ungeheuerlicher Gedanke! Doch wenn Gott der Urheber des Kosmos ist, dann ist auch dies gar nicht so unwahrscheinlich wie es zunächst scheinen mag. (Rupert Pfeiffer) |
6. Glaube und Vernunft
6.1. Gottesbeweise?
6.1.1. Zur Geschichte der "Gottesbeweise"
(Textblatt)
Hintergrundinformation:
Das "Höhlengleichnis" des Platon (Textblatt)
6.1.2. Anselm von Canterbury (1033-1109): "Ontologischer Gottesbeweis"
vgl.
Buch Leben gestalten 11 S. 108
- Gott kann als Absolutes (= durch nichts anderes Bedingtes oder
Verursachtes) vom Bereich des Vergänglichen (=Kontingenten) aus
nicht erreicht werden. Also versucht Anselm die innere Evidenz des Absoluten
nachzuweisen.
Grundvoraussetzung: Etwas
Gedachtes und tatsächlich Vorhandenes ist mehr wert als etwas
nur Gedachtes!
Beispiel: Eine auf dem Tisch vorhandene echte Mahlzeit ist besser als
eine nur gedachte!
Glaube an die Hierarchie der Seins-Begriffe
=> Gott muss als des Daseins Fülle das Größte sein
=> Gott kann nicht nur in unserem Denken sein, denn dann wäre
etwas noch Größeres denkbar,
nämlich ein Wesen, das auch tatsächlich existiert.
=> Gott muss als das Größte also auch in der Wirklichkeit
existieren. Das ist der Punkt von dem aus nichts Höheres und
Größeres mehr denkbar ist.
Der ontologische
Gottesbeweis versucht Gott nicht aus der Logik des Menschen
heraus zu erklären, sondern aus dessen eigener Existenz. Wenn
Gott das höchste Wesen ist, kann er nicht nur in unserem Denken
existieren, weil sonst eine noch größere Wesenheit existieren
könnte. Folglich existiert Gott auch in Wirklichkeit.
6.1.3. Die "quinque viae
ad Deum" * des Thomas von Aquin (1225-1274)
vgl. Buch Leben gestalten
11 S. 108/109
* In dieser Form leider nur in der
englischen Ausgabe von Wikipedia verfügbar!
Gottesbeweise des Thomas von Aquin:
° via I: ”Bewegungsbeweis” (vgl. Aristoteles)
° via II: ”Kausalitätsbeweis”
=> Über- und Unterordnung von Wirkursachen
=> nichts in der Welt kann in sich selbst die Ursache haben,
denn dann müßte es sich in seinem Sein vorausgehen
=> Gott als notwendige erste Wirk- und Entstehungsursache
° via III: ”Kontingenzbeweis”
=> Ursache der (“notwendigen) Lebewesen in sich selbst
=> keine Verfolgung dieser Kette bis ins Unendliche möglich
=> Gott als notwendig existierendes Wesen und als Ursache des
Lebens
° via IV: ”Stufenbeweis” (siehe Platon bzw. Augustinus)
° via V: ”Finalitätsbeweis” oder ”teleologischer Beweis”
=>
jegliches
Sein
hat
ein
bestimmtes
Ziel
/
Überall
finden
sich
Strukturen,
welche
eine
wohlgeordnete
Natur erkennen lassen
=> Gott als notwendiger ordnender Geist (vgl. Stoiker /
Zenon)
Die Grundlage des Gottesbeweises
durch Thomas von Aquin bildet die Analogie des Seins-Begriffes.
So können 5 Wege zu Gott führen: Der
Bewegungsbeweis sieht Gott als erste anstoßende Wesenheit an, wobei der
Kausalitätsbeweis Gott als die erste unverursachte Ursache anerkennt und der Kontingenzbeweis
ihm die Eigenschaft des Schöpfers allen Lebens zuspricht. Der Stufenbeweis
beschreibt Gott als das höchste Wesenheit und nach dem Finalitätsbeweis ist er der
ordnende Geist hinter allem Leben.
6.1.4. Kritik der Gottesbeweise: Immanuel
Kant (1724-1804), genannt der "Allzermalmer"
Die Biografie Immanuel Kants bietet ein Bespiel dafür, wie ein ausgesprochener Provinzler, der kaum je seine Heimatstadt Königsberg verließ, trotz der damit verbundenen Isolation allein aus der Kraft des Geistes Erkenntnisse gewinnt, welche die Anschauungsgrundlagen der Menschheit veränderten. In gewisser Weise ergeben sich hier Parallelen zwischen Kant und Einstein, deren beider Erkenntnisse zunächst ein Mal ja nur theoretischer Natur waren, die aber dennoch in der Folgezeit das Denken revolutionierten. So wie Einstein die Physik revolutionierte, so stellt das Werk Kants einen Wendepunkt in der Geschichte der Philosophie dar. Kant beschäftigte sich mit dem seit alters her als Metaphysik bezeichneten Denken und fragte nach den Bedingungen von Wirklichkeit.
Dabei erkannte er: Der menschliche
Geist ist nicht in der Lage hinter die sichtbare Wirklichkeit zu
blicken. Sein Erkennen ist schon deshalb nicht objektiv und
neutral, weil in seinem Geist unbewusst die Vorstellungen von
Raum und Zeit am Werk sind und der Mensch diese Maßstäbe auf das
zu erkennende Objekt anwendet. Die Wirklichkeit zeigt sich dem
Menschen also subjektiv auf Grund der besonderen
Vorgegebenheiten seines Geistes. Aus dieser Erkenntnis heraus
widerlegt er die früheren Gottesbeweise und nimmt ihnen die bis
dahin geglaubte Beweiskraft
-
kosmologisch: vgl. viae I, II, III des Thomas
von Aquin
=> Wer sagt denn, dass für Immanenz und Transzendenz dieselben Regeln Bewegungsregeln gelten?
Zeit und Raum sind quasi in den menschlichen Geist als Maßstäbe
(a priori) eingepflanzt: Mit diesen Maßstäben
im Kopf nähern sich
Menschen der Wirklichkeit!
=> Es ist kein allgemeines Kausalitätsprinzip möglich, das
sozusagen von der Immanenz (der von uns erlebten Wirklichkeit)
in die Transzendenz (die Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit)
hinüberreicht.
-
ontologisch: vgl. Canterbury,
vgl. via IV
=> Es können auch Dinge gedacht werden, die nicht real
existieren. Im Übrigen sind die Begriffe wie auch die
Wertigkeiten auch nicht zwingend logisch im Sinne von einer
Höherwertigkeit geordnet, welche einen Gipfel
haben muss.
- teleologisch: vgl. via V des Thomas von Aquin
=> Ordnung als Erfahrung der Immanenz; es gibt aber ebenso
die Erfahrung von Chaos und Unordnung
=> Somit ist die Erfahrung von Ordnung in der Immanenz kein
Beleg für eine Geordnetheit der Transzendenz
In seinem Denken beschäftigte sich Kant mit dem Verhältnis von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit. Dass man im Hinblick auf diese drei Fragekomplexe zu keinen gesicherten Antworten gelangen kann, liegt im Wesen der menschlichen Vernunft begründet.
- Einteilung der Vernunft in "theoretische Vernunft" und
"praktische Vernunft"
=> In Bezug auf die theoretische Vernunft: Scheitern der auf
der reinen Vernunft begründeten Gottesbeweise, da den Menschen kein
zwingender rationaler
Beweis für das Transzendente möglich ist
=> Die (theoretische) Vernunft kann die Existenz Gottes
nicht beweisen, sie kann aber die Existenz Gottes auch nicht
widerlegen.
=> dem Menschen ist laut Kant der Gottesgedanke “a priori”
mitgegeben (so wie auch die oben genannten
Vorstellungen von Raum und Zeit)
=> praktische Vernunft: Sie bezieht sich auf praktisches
Handeln, bei dem man auf eine unbedingte Verpflichtung stößt. Was Kant als
"praktische Vernunft" bezeichnet, könnte man auch Gewissen nennen.
Gott ist für Kant ein Postulat der praktischen Vernunft. Er war keinesfalls ein gottloser Mensch oder Atheist. Er fühlte sich gedrängt, auf seine Weise die Existenz Gottes aufzuzeigen. Sein Weg wird in der Geschichte der Philosophie als "moralischer Gottesbeweis'" bezeichnet.
=> Die menschliche Erfahrung zeigt: Es gibt ein Widerstreben
von Neigung und Pflicht
=> Doch ist der Mensch nur glücklich, wenn er den Gegensatz
zum harmonischen Ganzen vereinen kann
=> Das erste Postulat der
praktischen Vernunft ist die Willensfreiheit:
° Diese beinhaltet die Freiheit als Muss, um Neigung und
Pflicht vereinen zu können.
° bei sittlichem Handeln muss der Mensch ein Lebensziel haben,
auf Dauer schafft es aber niemand,
Pflicht und Neigung auf Dauer in sich zu vereinen.
=> Es muss ein Leben über den Tod hinaus
geben
=> Das zweite Postulat ist die Unsterblichkeit der Seele!
° Es muss nun ein Wesen geben, das Neigung und Pflicht perfekt
vereint, ein Wesen, das die
Unsterblichkeit der Seele garantieren kann .
=> Das dritte Postulat der praktischen Vernunft ist die
Existenz Gottes
Darin besteht die moralische Gotteserkenntnis nach Kant. Diesen Weg nachvollziehen kann aber nur jemand, der wie Kant ein ausgeprägtes Pflichtgefühl hat wie er. Etwas chaotisch veranlagtere Gemüter mögen durchaus bezweifeln, ob das Glück des Menschen ausgerechnet darin besteht, Pflicht und Neigung zur Deckung zu bringen. Kant jedenfalls besaß das Pflichtgefühl eines preußischen Beamten, sein Leben war von Pedanterie und Pünktlichkeit geprägt. Jeden Tag stand er um fünf Uhr morgens auf. Pünktlich um zehn Uhr legte er sich schlafen. Darüber berichtet ein Zeitgenosse: "Durch vieljährige Gewohnheit hatte er eine besondere Fertigkeit erlangt, sich in die Decken einzuhüllen. Beim Schlafengehen setzte er sich erst ins Bett, schwang sich mit Leichtigkeit hinein, zog den einen Zipfel der Decke über die eine Schulter unter dem Rücken durch bis zur andern und durch eine besondere Geschicklichkeit auch and andern unter sich und dann weiter bis auf den Leib. So emballiert und gleichsam wie in ein Kokon eingesponnen, erwartete er den Schlaf."
Zusammenfassung: Nach Kant sind alle auf der reinen Vernunft begründeten Gottesbeweise zum Scheitern verurteilt, da dem Mensch ein zwingender Beweis für die Existenz des Transzendenten nicht möglich ist, und somit der kosmologische, der ontologische wie auch der teleologische Gottesbeweis widerlegt. Er beschreitet den Weg eines moralischen Gottesbeweises, für den er Postulate formuliert, indem er von der Grundidee der Differenz von Neigung und Pflicht ausgeht. Weil der Mensch diese vereinen will, um vollständig glücklich werden zu können, muss er vollständig frei sein (WILLENSFREIHEIT). Handelt er nach sittlichen Normen, so muss es die Transzendenz geben, da diese Regeln sonst gegenstandslos wären (UNSTERBLICHKEIT DER SEELE). Wer würde sich an sittliche Regeln oder Gesetze halten, wenn diese nur leere Hirngespinste, also rein menschliche Erfindungen wären? Dies führt aber zur Erkenntnis der EXISTENZ GOTTES, der die Transzendenz erst möglich macht.
6.1.5.
Glauben ohne Beweise?
Blaise Pascal "Die Wette":
(vgl. Punkt
2.4.2. im Semester Q11-1)
bei aller Macht
der menschlichen Vernunft kann man doch keine Erkenntnis
über die Existenz Gottes erlangen
=> man steht an
einem Abgrund, welcher Immanenz und Transzendenz voneinander
trennt.
Man kann an
Gott glauben, muss es aber nicht > Blaise Pascal stellt dies unter den
Gedanken einer Wette:
=> irgendwann
wird sich herausstellen, ob er existiert oder nicht
=> der,
der glaubt, hat die Gewissheit über Gott und das Wissen, im
rechten Glauben
gelebt zu haben
=>der,
der nicht glaubt, hat letztlich nur die Gewissheit, Recht
behalten zu haben
Stellt sich
heraus, dass es keinen Gott gibt, ändert sich für beide
eigentlich nichts. Stellt sich aber heraus, dass es Gott gibt, so gewinnt derjenige, der sein
ganzes Leben schon an ihn geglaubt hat.
=> es geht
nicht um die Gottesfrage, sondern um die Sinnfrage, die mit
dieser unmittelbar zusammenhängt.

Auch wenn es heute keine "Beweise"
für die Existenz Gottes mehr gibt, so kann der Glaube dennoch
nicht ohne vernünftige Begründung auskommen: (vgl. Punkt
2.5. im Semester Q11-1)
=> Methode der Konvergenz: Es geht um die Bündelung der
Argumente / Erfahrungen
(Modell der Hängebrücke: Der einzelne Draht vermag die Brücke
nicht zu tragen, wohl aber das aus Drähten geflochtene Seil) - Ebenso tragen
die guten Glaubensargumente den Glauben!
Rheinbrücke in Rees / Foto: R. Pfeiffer (10.04.2007)
In diesem Sinne rechtfertigte Max
Planck auf einem wissenschaftlichen Symposium 1937 seinen
Gottesglauben. Für ihn, den Mitbegründer der Quantentheorie,
stand fest: Materie kann ohne Geist nicht existieren (Ähnlich
sagte dies Dr. Thomas Görnitz bei einem vom "Wissenswerk
Landshut" in der FH Landshut veranstalteten Podiumsgespräch im
November 2002). Er - so Planck- schäme sich nicht, dieses
Geistwesen, diesen geheimnisvollen Schöpfer hinter der Materie
so zu nennen, wie ihn alle alten Kulturvölker der Erde seit
Jahrtausenden nennen, nämlich GOTT.
Zu warnen ist allerdings vor der Gefahr, aus dem Glauben eine reine Vernunftangelegenheit machen zu wollen. Dieser Versuchung hat die ganz junge Kirche im 1. Jahrhundert - Spuren dieser Auseinandersetzung finden sich selbst in neutestamentlichen Schriften wie dem Johannesevangelium - widerstanden und die gnostischen Strömungen (Gnosis = Erkenntnis; diese Lehre des 1. Jahrhunderts ging quasi von einer Selbsterlösung des Menschen durch Erkenntnis aus), welche das junge Christentum einkassieren wollten, zurück gewiesen. Glaube ist nicht an intellektuelle Erkenntnis gekoppelt, sondern Gnade, Geschenk Gottes, welches jedem Menschen, auch dem geistig unvermögenden, zu Teil werden kann. So gesehen, tut die Katholische Kirche recht daran, dass sie Symbole und Zeichen in den Mittelpunkt des Gottesdienstes stellt, welche auch die Sinne und das Gefühl ansprechen, denn der Mensch besteht nicht nur aus Intellekt.
Andererseits steht am Gymnasium ganz bewusst
"Religionslehre" auf dem Programm. Diese ist die Vernunft und
das Verstehen gekoppelt, aber keinesfalls mit "Religion" gleich
zu setzen. Der Glaube eines einfachen Hinterwäldlers kann
überzeugender und stärker sein als der eines
Theologieprofessors, der sicherlich sehr viel mehr über den
Glauben weiß.
6.2. An den Grenzen der Vernunft: die
Trinität Gottes - entsprechend Semester 11/1 Punkt 3.4.2.3.
Das zweite radikal Neue gegenüber dem Gottesbild des AT: der
Heilige Geist als dritte
göttliche Person! (Siehe dort!)
vgl. Buch Leben gestalten 11 S. 114/115
Hier nochmals ein paar
Grundgedanken:
„Die göttliche Dreieinigkeit ist das Grundgeheimnis des christlichen Glaubens.“
..
„Jede Analyse muss davon ausgehen, dass die Dreieinigkeit ein undurchdringliches Geheimnis darstellt.“
(aus: „Trinität“
in: Handbuch theologischer Grundbegriffe, Bd. 4, ed.
Heinrich Fries, S. 264)
Es handelt sich um einen nichtbiblischen Begriff vor dem Hintergrund antiker Philosophie, erstmals zu finden zu Beginn des 3. Jahrhunderts bei Theophilus von Antiochien im Osten („Trias“) und bei Tertullian im Westen („Trinitas“).
325 Konzil von Nizäa: Vater und Sohn sind „homoousios“ = wesensgleich und nicht „homoiousios“ = wesensähnlich.
381 Konzil von Konstantinopel: Ausweitung auf den hl. Geist: „... den Herrn und Lebensspender, der mit dem Vater und dem Sohn zugleich angebetet und verherrlicht wird.“
„Das 4. und 5. Jh. sind angefüllt mit dem Kampf gegen eine häretische Trinitätslehre und mit der Durchsetzung der Konzilslehre.“
(aus: „Trinität“
in: Handbuch theologischer Grundbegriffe, Bd. 4, ed.
Heinrich Fries, S. 275)
Anknüpfungspunkte im AT:
„Engel Jahwes“ / „Wort Gottes“ / „Geist Gottes“ > „Ruach“ fem. / Weisheit > „Sophia“
„Jahwe“ „Ich werde als der da sein, als der ich da sein werde“
Anknüpfungspunkte im NT:
a) Synoptiker > Mt 28,19 „ … und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes ...“
b) Paulus > „Geist“ ist der auferstandene Jesus
c) Johannes > „Logos“ und „Paraklet“
Eine göttliche Natur / ein Wesen in drei Personen
„persona“ bezeichnet die Maske des Schauspielers im römischen Theater
> 1 Mensch kann im Theater durchaus drei Rollen übernehmen, zumal mit Maske!
> 1 Liter Wasser kann durchaus verschiedene Erscheinungsweisen beinhalten
(Eis, Flüssigkeit, Dampf)
Jahrhunderte lang gab es Auseinandersetzungen
mit dem Judentum bzgl. der Frage eines dreieinigen Gottes (vgl.
Umbenennung des Synagogenplatzes in Landshut nach 1450 in „Dreifaltigkeitsplatz“!). Heute wird
das Verständnis der Dreieinigkeit Gottes wichtig in der
Auseinandersetzung mit dem Islam > Gottesname "Allah" bedeutet
DER Gott (vgl. hebr. El).
6.3. Allah - das Gottesbild des Islam
Der Islam bezieht seine Vorstellung
von Gott aus dem biblischen Gottesbild. Gottes Eigenschaften
spiegeln sich auch in den 99 Namen Allahs, wobei der 100. Name
als Geheimnis gehandelt wird. Insgesamt ergibt sich der Eindruck
eines theokratischen Herrschers, wobei dem einzelnen Menschen
eine untergeordnete Rolle zukommt, bedeutet 'Islam' doch
'Unterwerfung'. Vor diesem Hintergrund ist nicht Demokratie,
sondern Theokratie das Staatsideal, so wie dies beispielsweise
im Iran, der sich "Islamische Republik" nennt, sichtbar wird:
Die Mullahs berufen sich auf den Willen Allahs und setzen ihn
politisch um. Ähnliche Ideen vertreten die Taliban (sprich:
Daliban), die "(Koran)-Schüler". Keiner der 99 Namen Allahs
nennt ihn "Vater" oder "Liebe".
Damit ergibt sich ein großer
Unterschied zum christlichen Gottesbild, predigte Jesus doch die
Nähe Gottes, und nannte ihn entgegen aller zeitgenössischen
jüdischen Vorstellungen vom fernen Gott "Vater" bzw. noch
skandalöser "Abba" als "Papa". Seine Heilungen von Menschen, die
nach damals gängiger Auffassung durch ihre Krankheit oder
Behinderung von Gott gestraft waren und so gesehen an ihrer
Krankheit selbst schuld waren, sollte den Menschen klar machen:
Gott straft nicht durch Krankheit, so wie dies im Satz "Deine
Sünden sind dir vergeben!" zum Ausdruck kommt. Gott ist ein
mit-leidender Gott: In Jesus, so glauben Christen, ließ Gott
sich selbst zu Tode martern.
Verständlich, dass dort, wo Christen
- so wie im katholischen Malta - Gott ebenfalls "Allah"
nennen, es zu Reibereien und Missverständnissen und letztlich
zum Streit um das Wort kommen kann. In Malaysia wurde per
Gerichtsentscheid festgestellt, dass auch Katholiken das Wort
"Allah" gebrauchen dürfen.

D.
Das christliche Menschenbild
7.
Der moderne Mensch
7.1. Lebensstile und
Sinnoptionen
"Wie ticken Jugendliche" - Sinus-Milieu-Studie U27 vom April
2008, erstellt im Auftrag von BDKJ und Misereor durch das
Institut "Sinus Sociovision", Heidelberg
Zusammenfassung
der Sinus-Milieu-Studie U27
Aktuell:
Zusammenfassung der Sinus-Milieustudie 2016 (Altersgruppe 14 - 17 Jahre)
7.2. Was ist der Mensch? -
Menschenbilder
7.2.1. Das Menschenbild der Logotherapie (Psychologisches
Menschenbild) > siehe Skript Q11/1 Punkt 1.4.
vgl. Buch Leben gestalten 11 S. 136/137
7.2.2.
Das
Menschenbild der Psychoanalyse > siehe Punkt
5.1.4.
7.2.3.
Das
Menschenbild des Islam > siehe auch Punkt
6.3.
Die 1927 im damals noch britisch
regierten Indien gegründete "Gesellschaft der Verkündigung des
Islam" (Tablighi
Jamaat) gilt unter den islamischen Gruppen als die
weltoffenste und somit moderateste. Dennoch versucht sie das
Leben der Gläubigen inklusive der neugewonnenen Anhänger zu
kontrollieren. In Deutschland begegnet uns aufgrund der großen
Zahl türkischstämmiger Mitbürger sehr häufig eine kalifatisch
bzw. osmanisch geprägte Sonderform des Islam.
Grundzüge des islamischen
Menschenbildes, die aus dem Handout herauszulesen sind:
Islam bedeutet 'Unterwerfung' unter
die absolute Herrschaftsgewalt Allahs. Aufgrund des in Punkt 6.3.
näher vorgestellten Gottesbildes ist
der Gläubige also Untertan, wobei Frauen nach Aussage des Koran
(Sure 43, Vers 18) vor Allah und folglich auch in der vom Islam
beherrschten Gesellschaft als Menschen zweiter Klasse eingestuft
werden. Idealerweise sollte in der idealen islamischen
Theokratie die Scharia (wörtlich: Der Weg, der befolgt werden
muss) zu Anwendung kommen. Am Beispiel des Ehe- bzw.
Scheidungsrechtes wird auch hier die geringere Position der Frau
deutlich.
Der "große Dschihad" besteht im
Kampf gegen die eigenen Schwächen auf dem Weg zu Gott, der
"kleine Dschihad" bezeichnet den ggf. nötigen bewaffneten Kampf
gegen die Feinde des Islam.
Eine maßgebliche Rolle spielt die
Gemeinschaft der Gläubigen, die Umma. Sein Heil
findet der Gläubige nur in dieser nicht auf Stammes- oder
Verwandtschaftsbeziehungen, sondern allein auf die Religion als
einigendem Band gegründeten
und somit auch Nationen
übergreifenden Weltgemeinschaft aller muslimischen Gläubigen. Einen individuellen Weg zum Heil,
zumal außerhalb der islamischen Gemeinschaft gibt es nicht.
Juden und Christen werden als vorübergehende Erscheinungen
gedeutet, welche sich im Laufe der weiteren Ausbreitung des
Islam auflösen werden. Dass es außerhalb des Islam kein Heil
gibt, wird auch daran deutlich, dass nach dem Koran jeder den
Tod verdient, der sich als Apostat vom Islam und damit von Allah
abwendet.
vgl. Schicksal von Sabatina
James, die als zum Katholizismus übergetretene Ex-Muslimin
um ihr Leben fürchten muss und daher gezwungen ist, aus
Sicherheitsgründen alle paar Monate ihren Aufenthaltsort zu
wechseln.
7.3. Die biblisch-christliche Sicht vom Menschen

zu Punkt 1: Während beispielsweise der Text des Koran unveränderliche Vorgaben macht, da er eins zu eins die an Mohammed überlieferten Worte Allahs enthält, hält die Kirche nicht mehr an der Verbalinspiration der Bibel fest. Nach Aussage des II. Vatikanischen Konzils in der Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung "Dei Verbum" hat sich Gott durch Menschen nach Menschenart geoffenbart. Deshalb ist "auf die vorgegebenen umweltbedingten Denk-, Sprach- und Erzählformen achten, die zur Zeit des Verfassers herrschten, wie auf die Formen, die damals im menschlichen Alltagsverkehr üblich waren" (Artikel 12).
In
der heutigen komplexen Welt lassen sich viele Fragen nicht
einfach aus der Bibel heraus beantworten. Somit bleiben Glaube
und Theologie auf moderne wissenschaftliche Erkenntnisse
angewiesen, auch wenn in der Vergangenheit (Fall Galilei) das
komplemementäre Miteinander von (Natur-)Wissenschaft und Glauben
noch nicht entwickelt war. Spätestens mit dem I. Vatikanischen
Konzil, das bestimmte, dass Gott, der Schöpfer, mittels der
Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Sicherheit erkannt
werden könne, kann dieses grundsätzliche Miteinander als
gesichert angesehen werden (vgl. Punkt
7.3.2.). Kirche versucht sich nicht in die Belange der
Wissenschaft einzumischen bzw. eine theokratische Herrschaft
über die Wissenschaft anzustreben, so wie dies im Mittelalter
einmal war. Dass die Autonomie der Wissenschaften lange Zeit
umstritten war, mag die (angebliche)
Äußerung von Papst Leo XII. belegen, der sich demnach
gegen die Pockenimpfung ausgesprochen haben soll.
Im
Grunde enthält die christliche Lehre theokratiekritische
Elemente, wenn z.B. der Evangelist Lukas in Lk 22, 24 ff.
schreibt:
24 Es entstand unter ihnen ein Streit
darüber, wer von ihnen wohl der Größte sei.
25 Da sagte Jesus: Die Könige herrschen über ihre
Völker und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen.
26 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der
Größte unter euch soll werden wie der Kleinste und der Führende
soll werden wie der Dienende.
Als
Reflex auf diese Passage zählt zu den Papsttiteln bis heute der
Titel "servus servorum".
Jesus
lebte selbst zur Zeit eines theokratischen Systems, galt der
Tempel in Jerusalem doch als der Herrschaftssitz Gottes. Jesus
geriet in Konflikt mit den Vertretern dieses theokratischen
Systems, indem er den Tempel und die Tempelfrömmigkeit angriff
und statt dessen Gott als den liebenden "Abba" = Papa den
Menschen nahe brachte. Ein theokratischer Herrscher würde wohl
andere Züge tragen! (vgl. Gottesbild im Islam!)
zu Punkt 2: Die aus der
biblischen Schöpfungserzählung abgeleitete Gottebenbildlichkeit
des Menschen (Genesis 1, 27: Gott schuf den Menschen als sein
Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf
er sie.) gilt grundsätzlich für jeden Menschen, auch den
Nicht-Christen. Zudem sind Mann und Frau Ebenbild Gottes - eine
Minderstellung der Frau verbietet sich von daher. In Psalm 8 ist
davon die Rede, dass die Stellung des Menschen nur wenig
unterhalb der Stellung Gottes selbst angesiedelt ist und dass
ihm die Regentschaft über die Erde übertragen ist.
Mit ein
Auslöser für die systematischen Christenverfolgungen im
römischen Reich ab ca. 250 war die Tatsache, dass die Christen
sich über die gesellschaftlichen Schranken der römischen
Gesellschaft hinwegsetzten und so in den Verdacht gerieten, das
Gefüge des antiken Staates zu zerstören, schrieb doch schon
Paulus im Brief an die Galater (3,28): "Es gibt nicht mehr Juden
und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau, denn
ihr seid alle "einer" in Christus (= Messias) Jesus."
Schon in
den Evangelien finden sich Hinweise auf den Wert und die Würde
jedes Menschen: Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter stellt
Jesus einen nach jüdischer Meinung Falschgläubigen als Vorbild
vor, der das menschlich Richtige tut. Im Freundeszirkel der 12
Jünger finden sich mit Levi / Matthäus sowohl ein ehemaliger
Zöllner wie auch mit Simon, dem Zeloten und vermutlich auch
Judas Iskariot zwei ehemalige Untergrundkämpfer gegen die Römer,
also von ihrem Werdegang und Hintergrund ehemalige Todfeinde.
In
säkularer Form wurde der Gedanke, dass jeder Mensch Gottes
Ebenbild ist, mit anderen Worten in den Artikel 1 des
Grundgesetzes übernommen: "Die Würde des Menschen ist
unantastbar."
In der
heutigen Zeit gerät die Menschenwürde vielfach in Gefahr, werden
mit dem Fortschreiten von Medizin und Gentechnik doch zum
Beispiel behinderte Menschen zunehmend diskrimiert und
vorgeburtlich aussortiert. Doch auch jeder behinderte Mensch ist
aus der christlichen Perspektive genauso wie der Gesunde
Ebenbild Gottes, dem man die Menschenwürde nicht absprechen
darf.
Letztlich
ist die Gottesebenbildlichkeit jedes Menschen auch das stärkste
Argument gegen die Todesstrafe, denn auch der schlimmste
Verbrecher besitzt als Mensch noch einen Rest an Menschenwürde.
Es ist allemal besser, wenn der Staat sich hier nicht zum Herrn
über Leben und Tod im Namen der Gerechtigkeit aufschwingt und
Menschen zwingt, als Henker tätig zu werden, sondern sich mit
lebenslangem Wegsperren des Täters zufrieden gibt, zumal sich
Justizirrtümer ja nie gänzlich ausschließen lassen. Bei der
Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich, die schließlich
1981 mit parlamentarischer Mehrheit beschlossen wurde,
engagierten sich auch die französischen Bischöfe. Am 19. Februar
2007 wurde das Verbot der Todesstrafe in die französische
Verfassung übernommen.
zu Punkt 3: Fast bei jedem
Regierungsgespräch mit Vertretern des chinesischen Staates
stehen Menschenrechte auf der Tagesordnung. Die chinesische
Regierung wiederum betrachtet dies als unzulässige Einmischung
in ihre inneren Angelegenheiten, fehlt doch im chinesischen
Denken der christliche Hintergrund völlig. Geht man vom
konfuzianischen Weltbild aus, so hat sich jeder Mensch in das
Gesamtsystem harmonisch einzupassen und das ist auch die
chinesische Fiktion: Es gibt im auf Harmonie bedachten Staat
keine ausgeprägten Individualrechte und somit auch keine
Menschenrechtsverletzungen. Auch die vielen Bittsteller, die
sich illegal in Beijing aufhalten, werden eher verfolgt als an
entscheidender Stelle mit ihren Anliegen vorgelassen.
Im Europa vor der Französischen Revolution gab es übrigens ebenfalls keine offiziellen Menschenrechte > vgl. 1. Semester Punkt 2.2.1. "Die Verweltlichung des Naturrechts und die Gesellschaftsvertragslehre"
Letztlich bleibt die Menschenwürde als unantastbares Menschenrecht nur garantiert, wenn sie durch eine dem menschlichen Zugriff entzogene Instanz, also letztlich Gott, sicher gestellt wird. Gerät das Befinden über Menschenwürde in Menschenhand, dann wäre es konsequent wie die DDR früher von "Staatsbürgerrechten" zu sprechen, die der Staat verleihen oder auch entziehen kann. Von den Vätern des Grundgesetzes wurde aus der Erfahrung der Kriegsgräuel mit der massenhaften und systematischen Missachtung jeglicher Menschenwürde - man denke nur an den Rassenwahn mit seiner Definition von Herren- und Mindermenschen - der Artikel 1 an den Anfang der Verfassung gestellt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."
Längst gilt jedoch weithin Abtreibung als mit Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes vereinbar. Die rasende Entwicklung der Biomedizin - Stichwort "Stammzellenforschung" stellt das, was mit Menschenwürde gemeint ist, ebenfalls in Frage. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde äußerte am 3. Sept. 2003 in der Frankfurter allgemeinen Zeitung seine Bedenken dahingehend, dass es selbst beim Begriff der Menschenwürde unter Juristen keine Einigkeit mehr gebe und verwies dabei auf die Neukommentierung von Artikel 1 des Grundgesetzes im Standardwerk, an dem sich deutsche Richter orientieren, dem sogenannten "Maunz/Dürig", wo es nunmehr heißt: "Für die staatsrechtliche Betrachtung sind jedoch allein die (unantastbare) Verankerung im Verfassungstext und die Exegese der Menschwürde als Begriff des positiven Rechts maßgebend." "Positives Recht" wird aber durch die laufende Rechtsprechung geschaffen und im Klartext bedeutet dies: Die Menschenwürde ist nicht mehr der Eckpfeiler, an dem sich alle Urteile auszurichten haben, sondern die ergangene Rechtsprechung bestimmt maßgeblich, was unter Menschenwürde zu verstehen ist. Somit kann man sich vorstellen, dass durch faktische Vorgaben - etwa die Erlaubnis zur embryonalen Stammzellenforschung oder auch zur Tötung auf Verlangen in einer Vielzahl von Ländern - das Verständnis von Menschenwürde beeinflusst wird. Menschenwürde wie Brauchtum aus dem Konsens von Parlamentariern und der Gesellschaft abzuleiten - das wäre wirklich fatal und sollte zu heftigem Protest Anlass geben. Von der Gottebenbildlichkeit jedes Menschen ausgehend, ist nach christlichem Verständnis die Menschenwürde jedem Menschen von Gott selbst gegeben und niemand ist berechtigt, sie irgendeinem Menschen abspenstig zu machen.
(Quelle u.a.: Christ in der
Gegenwart Nr. 38/03 S. 315/316)
zu Punkt 4: Aus christlicher
Sicht wird der Mensch als "gefallenes" Wesen beschrieben: Der
Mensch hat Fehler, ist nicht perfekt. Deshalb bedarf er der
Erlösung. Diese theologischen Aussagen sind allesamt eng an den
Komplex "Freiheit" gekoppelt: Wie frei ist der Mensch? Wie
abhängig? Erlösung wiederum hat etwas mit der Rückgewinnung der
Freiheit zu tun.
Andere
Denker und Philosophen haben eine durch und durch positive Sicht
des Menschen: Bei Sartre ist der Mensch absolut frei! Niemand
pfuscht ihm ins Handwerk! Ist der Mensch nun gut oder böse? Die
Bibel und somit der Christ kennt beides und bleibt dabei
durchaus realistisch: Der Mensch kann Heiliger sein oder werden
oder als Sünder getrennt von Gott existieren. Seine Freiheit
gestattet ihm das.
Aus
christlicher Sicht ist die Freiheit des einzelnen Menschen
allerdings begrenzt. Persönliche Schuld (Sünde) kann er nur dort
auf sich laden, wo er sich frei für das Böse und somit die
Absonderung von Gott entscheiden kann. Viele Menschen besitzen
diese Freiheit gar nicht, weil die Umstände, unter denen sie
leben, ihnen keine Entscheidungsfreiheit lassen. Der Theologie
spricht hier traditionell von "Erbsünde" (Den Begriff erfand der
hl. Augustinus) oder moderner, von "transpersonaler Schuld".
Wieviel Freiheit haben beispielsweise die Kinder eines
alkoholsüchtigen Elternpaares, später nicht selbst süchtig zu
werden? Werden sie Alkoholiker, kann man dies ihnen nur
schwerlich anlasten.
Ein Hinweis darauf, dass es vielleicht genügt, nur ein Mal im Leben von der freien Gewissensentscheidung Gebrauch zu machen, findet sich im Umfeld der Kreuzigung Jesu. Im Lukasevangelium (Lk 23, 39 - 43) findet sich die Stelle, wo Jesus dem mitgekreuzigten Schächer (möglicher Weise ein Untergrundkämpfer gegen die Römer, der Menschenleben auf dem Gewissen hat) das "Paradies" verspricht, nachdem er sich für Jesus eingesetzt hat und gegen die lästerlichen Bemerkungen des anderen Mitgekreuzigten das Wort erhoben hat. Das "Paradies" war nach damaliger jüdischer Vorstellung der Warteraum der Gerechten auf den Himmel! Hier also qualifiziert sich ein Mensch in letzter Minute für den Himmel! (Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, wo auch die letzten, die nur eine Stunde garbeitet haben, den vollen Lohnbekommen, unterstreicht diesen Interpretationsansatz!). Vielleicht ist es mit dem Glauben tatsächlich so, wie an der Straßenbahnhaltestelle, wo alle 10 Minuten eine Straßenbahn vorbeikommt. Man kann viele Straßenbahnen vorbeifahren lassen, aber irgendwann sollte man halt einsteigen!
Geht das Christentum einen Mittelweg, so bestreiten andere Denker die Freiheit des Menschen überhaupt. Man spricht dann von Determinismus, weil ohne Freiheit ja alles von vornherein festgelegt ist. Ein solches System vertrat der Psychoanalytiker Siegmund Freud: Freud leugnete die Existenz menschlicher Freiheit und sieht ähnlich wie Karl Marx den Menschen als einen Teil der Materie.
Geht man vom 1. Modell der menschlichen Psyche ("Eisbergmodell") aus, dann reißt für das Bewusstsein die Ursache-Wirkungskette der Motive dort ab, wo Freud den "Zensor" vermutet. Diese Ursache-Wirkungskette setzt sich aber im Unbewussten fort.
Geht man vom 2. Modell der menschlichen Psyche ("Ich - Es - Über-Ich") aus, dann enden die Ursache-Wirkungs-Ketten im Es bzw. im Überich. Je nach dem, welche Kraft stärker ist, ergibt sich automatisch ein gewisses Verhalten. In späterer Zeit gestand Freud dem Menschen für den Fall, dass die Kräfte des Es und Überich gleich stark wären, eine freie Entscheidung zwischen beiden Möglichkeiten zu. Mit diesem Alternativismus erschöpfte sich für ihn der Freiraum des Menschen aber auch schon.
Anmerkung: Psychoanalyse setzt auf
Verhaltensänderung des Menschen durch Einsichtnahme in das
eigene Verhalten mit Hilfe des Therapeuten! Würde der
Psychoanalytiker den in der Freudschen Lehre angelegten
Determinismus ernst nehmen, dann liefen alle seine
therapeutischen Bemühungen ins Leere und wären letztlich
sinnlos!
zu Punkt 5: > vgl. 1.
Semester Punkt 2.4.3.
"Nahtoderfahrung
/ Todesforschung (Dr. Kunhardt-Schröter) und moderne
Hirnforschung", speziell den Unterpunkt "Biblische
Aspekte"
Der Glaube
an die Auferweckung Jesu von Toten beinhaltet die Hoffnung, dass
auch Christen eines Tages eine Zukunft bei Gott haben werden.
zu Punkt 6: Als
Beispiel dienen die Aussagen des ehemaligen österreichischen
Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel über sein Verständnis von
christlicher Politik.
zu Punkt 7: Christen suchen Orientierung, indem sie
sich die Frage stellen: Wie würde Jesus an meiner Stelle handeln
bzw. wie hätte er gehandelt?
Dabei gibt es keine Patenrezepte! Hilfreich ist vielleicht die Erfahrung der Benediktiner: Wer in den Benediktiner-Orden eintreten will, muss sich als Gottsucher verstehen!
"Man achte genau darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht, ob er Eifer hat für den Gottesdienst, ob er bereit ist zu gehorchen und ob er fähig ist, Widerwärtiges zu ertragen." (Aus der Regel des hl. Benedikt)
Hilfreich ist vielleicht auch die Erfahrung der seligen Edith Stein. Hierzu ein Zitat aus dem Fastenhirtenbrief 2003 des damaligen Münchner Erzbischofs Friedrich Kardinal Wetter:
"Edith Stein berichtet, dass sie sich als 15-Jährige bewusst das Beten abgewöhnt habe. Sie konnte mit Gott nichts anfangen. Aber sie war immer auf der Suche nach der Wahrheit. 15 Jahre später geht ihr die Wirklichkeit Gottes auf und sie lässt sich taufen. In der Rückschau sagte sie: "Meine Suche nach der Wahrheit war ein einziges Gebet." und: "Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott." Edith Stein hat durch viele Jahre hindurch die Wahrheit gesucht und Gott gefunden. Auch wer auf der Suche nach Gott ist, ist Gott nahe, vielleicht näher als der, der meint, mit Gott auf Du und Du zu stehen.
Vergessen wir nicht: Suchende sind wir alle, so lange wir auf Erden leben. Auch wenn wir Gott gefunden haben, mit Jesus verbunden sind und unser Leben in der Gemeinschaft mit Jesus führen, bleiben wir vor dem unauslotbaren Geheimnis Gottes immer noch Suchende. Dieses Suchen endet erst am Ende unserer Pilgerschaft, wenn wir in der Ewigkeit Gott unverhüllt von Angesicht zu Angesicht schauen."
Vielleicht macht ein Mensch auch
die Erfahrung, dass Gott in unserer Welt oftmals zu
schweigen scheint. Auch ein oftmals scheinbar schweigender Gott
sollte nicht zur Aufgabe des Glaubens führen. Gerade dafür
plädiert der atheistisch-marxistische Philosoph Max Horkheimer,
der sich vor allem in den letzten drei Jahren seines Lebens
stärker mit der Religion befasste. Für Horkheimer lag der Wert
der Religion vor allem darin, angesichts von Ungerechtigkeiten in der Welt
die Sehnsucht nach dem
"Ganz-Anderen" (eine philosophische Umschreibung für Gott von jemandem, der aus irgendwelchen Gründen
Gott nicht "Gott" nennen will) offen zu halten und so einen
Ausweg aus der
Sinnkrise zu finden.
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